calendar 19.05. 2017

Energieverschwendern auf den Fersen

Junge Mädchen für Energieeffizienz und Klimaschutz zu begeistern, ist schwierig? Von wegen: Heike Bordin-Knappmann, Senior Managerin Learning & Development bei ista und selbst Mutter von drei Töchtern, stellte sich der Herausforderung und wurde positiv überrascht. Im Mädchengymnasium Borbeck begab sie sich beim Girls‘ Day 2017 mit den Schülerinnen auf die Suche nach den Energieverschwendern.

Es ist Donnerstagmorgen 7.30 Uhr und auf den Fluren des Mädchengymnasiums Borbeck herrscht bereits reges Treiben: Schülerinnen laufen durch die Flure, begrüßen sich gegenseitig lautstark oder stecken die Köpfe zusammen, um sich mit Neuigkeiten zu versorgen. Ich begebe mich auf den Weg zu Klassenraum 114. Hier ist es ruhiger. Lediglich zwei junge Mädchen bereiten bereits eine Pinnwand für unseren Workshop vor. Es ist der internationale Girls‘ Day und für uns der perfekte Anlass, um uns intensiv mit den Schülerinnen der Jahrgangstufen 5 und 6 zu beschäftigen und sie für Technik und Naturwissenschaften zu begeistern.

Ganz oben steht da das Thema Energie. Für Essen, die Grüne Hauptstadt Europas 2017, insbesondere in diesem Jahr ein wichtiges Thema. Das städtische Mädchengymnasium gehört zu den fünf weiterführenden Schulen, die im Rahmen des Projekts „ista macht Schule“ mit Messtechnik ausgestattet wurden. Von der neu gewonnenen Transparenz über die Energieverbräuche soll jedoch nicht nur die Schule profitieren, sondern vor allem die Schülerinnen. Und deshalb bin auch ich heute hier: Gemeinsam mit meiner Kollegin Maike Böcker engagiere ich mich für das Projekt.

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Mit der Workshop-Durchführung am Mädchengymnasium in Borbeck engagieren sich ista Mitarbeiterinnen für Energieeinsparung und Energieeffizienz.

Wir spüren gemeinsam mit 25 Sechstklässlerinnen versteckte Energieverschwender auf und machen aus den Mädchen echte Energiedetektive. Unsere Aufgabe ist es, ihnen zu erklären, wie sie diese Energiefresser finden, und ihnen die neu installierte Technik näherzubringen, die dabei hilft. Unterstützt werden wir dabei von Magdalena Burger, Klimaschutzmanagerin für Bildungseinrichtungen der Stadt Essen.

Letzte Vorbereitungen für den Workshop

In Schulen halte ich mich normalerweise nur zum Elternsprechtag oder an Wahltagen auf, daher ist der Gang über die Schulflure ungewohnt. Doch für Nervosität bleibt keine Zeit. Während ich mich mit meinen Projektpartnerinnen kurz zum Ablauf austausche und meine Materialien zurechtlege, stürmen die Schülerinnen bereits in den Klassenraum. Die Mädchen setzen sich und werden allmählich ruhiger. Sie sind aufgeregt, das merke ich Ihnen an. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde werden sie lebhafter und wir starten spielerisch mit unserem Thema: „Welche Eigenschaften sollte ein guter Detektiv eurer Meinung nach mitbringen?“, frage ich in die Runde.

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Die Schülerinnen werden zu Energiedetektiven und beteiligen sich aktiv bei der Frage, wo Energie zum Einsatz kommt.

Nach und nach gehen die Finger nach oben. „Er sollte ruhig sein, damit er nicht auffällt. Und natürlich muss er gut beobachten können“, erwidert eine Schülerin. Ich bin von der Antwort angetan, passt sie doch hervorragend zur ersten Aufgabe: Reihum sollen die Schülerinnen nun erzählen, was sie vor Schulbeginn schon gemacht haben und wo dabei Energie zum Einsatz kam. Da wurden bereits Wecker ausgestellt, Haare geföhnt, Frühstücksbrote getoastet oder Kakao in der Mikrowelle aufgewärmt. Jede Menge Stromverbrauch also, stellen die eifrigen Zuhörerinnen schnell fest, denn ihre Aufgabe ist es, genau hinzuhören und aufzustehen, sobald von Energie die Rede ist.

„Energiedetektive spüren Tatorte auf, an denen Energie verschwendet wird und überlegen, wie sich das verhindern lässt.“

Jeder Detektiv verfolgt eine Mission. Wie sieht diese für Energiedetektive aus? „Energiedetektive spüren Tatorte auf, an denen Energie verschwendet wird und überlegen, wie sich das verhindern lässt“, schlägt eine Schülerin vor. Daran, dass es innerhalb des Schulgebäudes genügend Tatorte gibt, habe ich schon nach kurzer Zeit keine Zweifel. Während des zweistündigen Workshops erlebe ich selbst, dass die Heizung im Klassenraum trotz milder Außentemperaturen permanent auf höchster Stufe eingeschaltet ist. Thermostatventile, mit denen die Heizung reguliert werden könnte, gibt es nicht. Kein Wunder, dass die Schülerinnen in regelmäßigen Abständen die Fenster weit öffnen, um die Temperatur erträglich zu halten.

Den Energieverschwendern auf der Spur

Schon nach ein paar Einstiegsfragen merke ich: Die Schülerinnen sind auf Zack und ich bin wirklich tief beeindruckt, wie viel sie über den Klimawandel wissen und wie groß das Interesse für Umwelt- und Klimaschutz ist. Den Schülerinnen ist bewusst, wie wichtig Energiesparen ist, doch gerade im Schulalltag fehlen bislang oft die Möglichkeiten, selbst aktiv zu werden. Deshalb gehen wir gemeinsam auf Spurensuche. Neben Heizungen, die auf Hochtouren laufen, enttarnen wir dabei vor allem tropfende Wasserhähne und technische Geräte im Stand-by-Modus als Energieverschwender.

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Die Schülerinnen  lernen, wie einfach sie Energiesparmaßnahmen durchführen können.

Damit sich zukünftig tatsächlich etwas ändert, zeigen wir den Energiedetektiven auch, wie die neu installierte Messtechnik beim Energiesparen helfen kann. Wie es sich für aufmerksame Detektive gehört, entdecken die Schülerinnen die Heizkostenverteiler an den Heizkörpern rasch. Schnell räumen wir mit dem Gerücht auf, dass die Heizkostenverteiler die Temperatur steuern. Denn die elektronischen Heizkostenverteiler sind Zählwerke und erfassen die Energieverbräuche, die dann als Wert im kleinen Display angezeigt werden. Bei dieser Gelegenheit zeigen wir den Mädchen aber auch, wie sie die Heizkörper über die Thermostatventile, die in Kürze nachgerüstet werden, optimal regulieren können.

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Heike Bordin-Knappmann zeigt den Schülerinnen, wie sie die Heizenergie über Thermostatventile steuern können.

Bereits nach Ende des ersten Workshops bin ich ziemlich stolz, zu sehen, was das Projekt in den Schulen bewirkt. Die Schülerinnen sind eifrig und aktiv dabei und ich bin mir sicher, dass sie sich gegenseitig daran erinnern und darauf aufmerksam machen werden, wenn eine von ihnen Energie unnötig verschwenden sollte. Indem wir den Schulen nicht nur die technische Ausstattung zur Verfügung stellen und so die Energieverbräuche transparent machen, sondern auch bei den Schülerinnen das Bewusstsein dafür schärfen, wie sie selbst schon mit kleinen und einfachen Maßnahmen aktiv werden können, sind nachhaltige Veränderungen möglich. Das Projekt ist somit für beide Seiten Gold wert.

Energie, die lange nachwirkt.

Nach dem zweiten Workshop bin ich zwar erschöpft, aber paradoxerweise trotzdem euphorisch und voller Energie. Ich habe an dem Tag einen wirklich anregenden Perspektivwechsel erlebt. Die Schülerinnen haben mich angesteckt und ich sinniere: Eigentlich geht es doch vor allem darum, Begeisterung zu wecken, ob in Schulworkshops, im Ausbildungsmanagement oder bei der Personal- und Führungskräfteentwicklung.