Bade- und Skivergnügen haben ihren Preis

10.10.2016

Spaßbäder und Skihallen erfreuen sich vieler Besucher. Aber haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, wie energieeffizient das wirklich ist? Wir gehen der Frage nach, welches Einsparpotenzial sich für Schwimmbäder bietet. Und klären, was mehr Energie pro Besucher benötigt: Schwimmbäder oder Skihallen?

Das Tropical Islands südlich von Berlin gilt als das zweitgrößte Erlebnisbad in Europa: 2014 kamen laut Global Attractions Report rund 910.000 Besucher. Ein künstliches Paradies auf 66.000 Quadratmeter. Aufgebaut wurde die Südsee-Landschaft in der ehemaligen Cargolifter-Halle, der größten freitragenden Halle der Welt. Das war energietechnisch nicht die beste Wahl: Ihre Hülle besteht aus Stahl und Folien, das Gebäude ist für 19 Grad Innentemperatur ausgelegt.

Für das Bad wird die Halle auf 26 Grad beheizt – obwohl große Flächen der Hülle über keinerlei Dämmung verfügen, wie Thermografie-Aufnahmen belegen. Zudem zeigen die Bilder, dass der warme Wasserdampf aus den Becken einfach aus der Halle abgeführt wird.

Energiekosten ein großer Posten in der Bilanz

Einige Jahre nach der Eröffnung Ende 2004 wurde dann die Technik modernisiert. Laut einem Unternehmenssprecher, so zitiert der „Focus“ im Dezember 2009, werde die Wärme der Abluft nun zurückgeführt und zum Heizen verwendet. Gründer Colin Au hatte die Energiekosten auf drei Millionen Euro jährlich beziffert.

„Der Unterhalt für ein Bad kostet bis zu 500.000 Euro im Jahr. Da ist eine Einsparung von 10 Prozent durchaus charmant.“

Öffentliche Hallenbäder stehen in der Regel besser da – aber längst nicht alle: „Viele Bäder wurden vor mehr als 40 Jahren gebaut. Da waren Energiepreise noch wenig relevant, die Priorität lag auf Architektur und Preiswürdigkeit“, erzählt Christian Dahm, Ingenieur von der EnergieAgentur.NRW, die Kommunen und Betreiber bezüglich Energiesparpotenzialen berät. „Das durchschnittliche Hallenbad aus unseren Beratungen hat ein 335 m² großes Becken und verbraucht im Jahr rund 1,3 Millionen kWh Wärme und 0,37 Millionen kWh Strom“, berichtet Dahm. Bei steigenden Energiepreisen nimmt die Belastung weiter zu. Schwimmbäder werden oft umfangreich bezuschusst, nicht wenigen droht wegen der Kosten die Schließung. „Die Kosten für die Bäder summieren sich auf bis zu 500.000 Euro im Jahr. Da ist auch eine Einsparung von 10 Prozent durchaus charmant“, erläutert Dahm.

Die Thermografie-Aufnahme des Tropical Islands zeigt große Flächen in Rot und Orange – das sind Bereiche ohne Dämmung mit hohem Wärmeverlust.

Energiesparen – im Großen wie im Kleinen

Schon mit einfachen organisatorischen Maßnahmen lässt sich der Verbrauch senken. Heute darf das Wasser schon mal um 1 Grad kälter sein als früher, allein das spart schon rund 10% an Wärmebedarf des Beckens ein. „Es lohnt auch ein Blick auf die Schaltzeiten der Außenbeleuchtung“, rät Dahm. „Oder man stellt Attraktionen wie Massagedüsen im Whirlpool ab, wenn sie nicht genutzt werden.“ Im überschaubaren Rahmen lässt sich auch die Beleuchtungsanlage auf LED umrüsten oder eine Außenrutsche dämmen.

Wer größere Einsparungen anstrebt, steht vor einer komplexen Aufgabe. Hallen- und Freibäder besitzen eine umfassende Ausrüstung, etwa Gewerke für Heizung, Lüftung und Beckenwasser. Daher erfolgen Modernisierungen solcher Anlagen meist zusammen mit einer Sanierung des gesamten Gebäudes.

Wie eine gelungene Sanierung aussehen kann, beschreibt die EnergieAgentur in einem Beitrag über das Walter-Leo-Schmitz-Bad in Wipperfürth. Dort wurden im Rahmen eines weitreichenden Umbaus das Dach erneuert, eine Solaranlage und ein Blockheizkraftwerk installiert und die Heizungsanlage saniert. Heute benötigt das Bad nur noch eine Heizleistung von 700 kW, zuvor waren es 2.300 kW. Und die CO2-Emmission reduziert sich nach Angaben des Betreibers um rund 250 Tonnen pro Jahr.

Dennoch wird es immer viel Energie kosten, Wasser im Winter angenehm warm zu halten. Gleiches aber gilt, will man Wasser im Sommer in Schnee überführen. Das zeigt die noch junge Geschichte der deutschen Skihallen.

Skifahren mitten im Hochsommer?

Im Januar 2001 eröffnete die erste deutsche Skihalle in Neuss. Mittlerweile gibt es hierzulande sechs Skihallen, ihre Pisten sind bis zu 600 Meter lang. Um darauf das ganze Jahr über Ski fahren zu können, sind Kühlschleifen im Boden eingelassen und die Lufttemperatur wird permanent auf -1 bis -4 Grad heruntergekühlt. Das erfordert leistungsstarke Kälte- und Beschneiungsanlagen. Daher werden die Hallen unter anderem für ihren hohen Energieverbrauch kritisiert. Doch benötigen sie wirklich mehr Energie als Schwimmbäder?

Die Skihalle in Neuss verbraucht laut Schätzung des Bund Naturschutzes aus dem Jahr 2010 rund 5 Millionen kWh im Jahr und erreichte seit ihrer Eröffnung jährlich 840.000 Besucher. Das entspricht einem Energieverbrauch von rund 6 kWh pro Besucher.

Skihalle schlägt Schwimmbad

Im Vergleich dazu verbraucht ein durchschnittliches Hallenbad rund 1,67 Millionen kWh Energie im Jahr und hat jährlich zwischen 50.000 und 100.000 Besucher. Bei 100.000 Besuchern liegt der Verbrauch je Badegast somit bei 16,7 kWh – fast dreimal so hoch wie bei Skihallen.

Auch wenn der Vergleich zugunsten der Skihallen ausgeht, sind sie wirtschaftlich in einer ähnlichen Situation. „Wir haben in sechseinhalb Betriebsjahren keinen Gewinn gemacht, bestenfalls eine rote Null. Das liegt vor allem an den hohen Energiekosten“, sagte der Geschäftsführer des niedersächsischen Snow Dome, Jakob Falkner, im Interview mit „Spiegel Online“ im März 2013.

„Wir haben in sechseinhalb Betriebsjahren keinen Gewinn gemacht, bestenfalls eine rote Null. Das liegt vor allem an den hohen Energiekosten.“

In dieser Situation investierten die Betreiber in neue Technik. So wurde der Snow Dome in Bispingen nahe Hamburg 2013 für ein halbes Jahr geschlossen und umfangreich saniert. Das neue Kühlungssystem soll laut Betreiber den Energieverbrauch um rund ein Drittel senken. Die Beliebtheit der Skihallen zeigt: Die Besucher hält der hohe Energieverbrauch nicht ab. Viele Skihallen haben sich zu alpinen Freizeitparks mit angeschlossener Hotellerie entwickelt. Mittlerweile gelten sie in ihren Regionen als feste Größe im Tourismus.

Mehr Informationen zur Energieeffizienz in Schwimmbädern finden Sie hier.

Bildcredit: ista, grasundsterne, Tropical Islands, allrounder