Das schlechte Gewissen fährt mit – zu Recht

12.07.2018

Der Himmel ist blau, die Vögel zwitschern und die Sonne scheint. Wir fahren zum See. Die Musik ist aufgedreht, im Getränkehalter steht ein leckerer Coffee-to-Go von der Bäckerei, die Klimaanlage ist voll aufgedreht, hält uns angenehm kühl. Am See packen wir unseren Einweg-Grill aus, die enorm preisgünstigen Würstchen vom Discounter werden hervorragend munden und die Bierflaschen lassen wir einfach stehen. Wir freuen uns des Lebens.

Na, erkannt? Ich zumindest habe das ein oder andere schon gemacht. Und so ein unbeschwerter Sonntagnachmittag ist ja auch was Feines. Aber um ganz ehrlich zu sein, so ganz unbeschwert ist das bei mir dann doch nicht. Weil ich weiß, so richtig ok ist das alles nicht. Das schlechte Gewissen drückt. Und so geht es doch vielen, oder etwa nicht?

Das Öko-Gewissen ignorieren

Was also tun? Schlechtes Gewissen ignorieren, weil: Yolo – You Only Live Once, heißt es ja so schön?

Nein!

320.000 Coffee to Go Becher werden stündlich in Deutschland verbraucht.

Quelle: DeutscheUmwelthilfe

Kein Mensch braucht Coffee-to-Go. Die Becher werden unter hohem Aufwand produziert, einmal weggeschmissen und dann verbrannt. Ich weiß das, jeder weiß das. Wir sehen die Müllberge nach der Mittagspause und es steht in der Zeitung. Natürlich kann man gemütlich zuhause einen Kaffee trinken oder einen Mehrfachbecher nutzen. Mein einziger Grund, es ist halt einfach und lecker, der Kaffee unterwegs.

Mit dem Auto zum See, die Klimaanlage auf angenehmen 20 Grad – herrlich! Aber auch das muss doch nicht immer sein, oder? Eine Klimaanlage verbraucht richtig viel Sprit. Genau wie bei der Heizung im Winter haben wir es hier in der Hand Geld und Energie zu sparen und das Klima zu schützen.

Und warum überhaupt mit dem Auto? Mit dem Rad wäre es genauso gut gegangen, aber man hätte ein bisschen schwitzen müssen. Dafür hat man sich bewegt und sich die Sommerluft um die Nase wehen lassen.

Allgegenwärtiges Dilemma zwischen Komfort und grünem Gewissen

Dieses Dilemma zwischen Komfort, Faulheit und grünem Gewissen ist allgegenwärtig. Kaufe ich im Supermarkt eine neue Plastiktüte, weil ich schon wieder vergessen habe, eine Tragetasche einzustecken? Fahre ich mit dem Auto zum Supermarkt, weil es bequemer ist? Nehme ich das Flugzeug anstatt den Zug zum Geschäftstermin, weil es schneller geht und vielleicht sogar billiger ist? Allzu einfach ist die Ausrede, dass unser Verhalten keinen Unterschied macht. Denn das stimmt nicht.

Wenn sich bei diesen Entscheidungen ein schlechtes Gewissen bemerkbar macht, ist das gut. Denn das heißt, wir wissen ja eigentlich, dass es auch anders geht und gehen sollte. Das schlechte Gewissen ist wie der Rückenschmerz, der uns sagt, wir müssen öfter vom Schreibtisch aufstehen und uns bewegen. Und wenn wir uns dann strecken und recken, fühlen wir uns auch gleich besser. So ist das auch mit dem grünen Verhalten im Alltag. Auf etwas zu verzichten, eine umweltfreundlichere Alternative zu wählen, ist ein gutes Gefühl.

Hören wir also hin, auf die Stimme im Kopf, das Gefühl im Bauch. Muss man sich deswegen selbst zermartern, wenn man doch mal eine kleine Ökosünde begeht? Nein. Sollte man es versuchen, es möglichst oft besser zu machen? Immer wieder!