calendar 16.05. 2018

Der Elon Musk der Solarboote

Weltweit gibt es mehr als eine Milliarde Autos. Der Energieverbrauch ist daher enorm. Das gilt auch für die Schifffahrt. Einmal volltanken kann bei einem Containerschiff gerne mal mehrere Millionen Euro kosten. Ob das günstiger geht? Schwer zu sagen. Aber es geht umweltfreundlicher – mit klimaneutralen Booten. Von mehr Energieeffizienz träumt auch Solarboot-Pionier und Physiker Falk Viczian. Aber wie kann das Leben und Wohnen an Bord nachhaltig gestaltet werden?

Die Zahl ist beeindruckend. Laut dem Umweltbundesamt transportieren rund 40.000 Handelssschiffe Waren auf dem Seeweg – und das täglich. Dabei verbrennen sie fossile Brennstoffe, führen die Abgase ungefiltert in das Wasser ab und erschweren durch die Bauart das Leben der Meeresbewohner. Eine Alternative könnten Hybrid- und Solarboote sein. Bis das aber soweit ist, wird es noch viele Jahre dauern. Das weiß auch Falk Viczian. Der Phyisker erfüllte sich 2013 seinen Traum vom autarken Leben und Forschen auf dem Wasser – mit einem Solarboot.

„Mittlerweile ist aus diesem Wunsch eine Leidenschaft geworden. Ich möchte nicht nur auf dem Wasser wohnen, sondern das Boot auch mit Sonnenenergie fortbewegen“, so Viczian. „Darum habe ich 2014 auch die ‚Falk Viczian Solarboot-Projekte gGmbH‘ gegründet. Gemeinsam mit wissenschaftlichen Partnern forschen wir nun daran, wie der Solarantrieb auch in der Schifffahrt genutzt werden kann.“ Und vor dem Team liegt noch viel Arbeit. Das zeigen auch die eigenen solarbetriebenen Hausboote der Organisation. In Ländern wie Deutschland ist die Sonneneinstrahlung beispielsweise nicht immer ausreichend, um die Maschinen zu betreiben. Daher kombinieren einige Boote bereits Solar- und Hybrid-Lösungen. Ganz ohne Dieselgeneratoren kommen die Schiffe bei längeren Fahrten aber noch nicht aus. Nachhaltiger ist es jedoch alle Mal.

Solarboot Solarwave
Das Solarboot SolarWave im Ionischen Meer in Griechenland.

Das Wasser – der weltweit größte Energiespeicher

Die größte Herausforderung ist neben dem Schiffsantrieb das Heizen und Klimatisieren an Bord. „Das Wasser wirkt quasi wie ein großer Energiespeicher. Mit Wärmepumpen kann dieses Energie-Reservoir genutzt werden, um das Boot im Winter zu heizen und im Sommer effizient zu kühlen“, erklärt der Solarboot-Pionier. „Bei den Scheiben arbeiten wir auf bewohnbaren Solarbooten daher beispielsweise schon mit besonderen Isolierungen.“ Um den Verbrauch darüber hinaus aufzufangen, nutzt Viczians Solarboot „CruisingHome“ im Düsseldorfer Medienhafen momentan noch zusätzlich eine Öl-Zentralheizung, einen Brennholzkamin und ist zeitweise an das Hauptstromnetz angeschlossen. Damit ist das Schiff Werbung für nachhaltiges Wohnen und Leben – auf und neben dem Wasser. Auch in Griechenland ist Viczian quasi auf Werbe- und Bildungstour. Sein zweites Solarboot „SolarWave“ kann er dort im Sommerhalbjahr zu 100 % autark betreiben. Und noch etwas ist besser als in Düsseldorf. „Die Wasserqualität und das Wetter sind einfach traumhaft“, so Viczian.