calendar 07.12. 2015

Der französische Energiemarkt im Aufschwung

Energiewende. Ein Wort, an dem man seit Jahren nicht vorbeikommt. Und auch in den nächsten Jahren nicht vorbeikommen wird. Deutschland hat den wichtigen Schritt weg von der Kernenergie hin zu erneuerbaren Energien bereits nach Fukushima gemacht. Andere Länder wie Frankreich ziehen jetzt nach. Dabei gestaltet sich die „Energiewende“ nicht nur als Wende hin zu mehr erneuerbaren Energien: konsequenterweise setzt man parallel auch auf einen effizienteren Umgang mit Energie.

Der Begriff der Energiewende prägt unseren Alltag spätestens seit der Reaktorkatastrophe von Fukushima in 2011. Die Bundesregierung in Deutschland hat damals vorherige Entscheidungen zurückgedreht und den Ausstieg aus der Kernenergie konsequent eingeleitet. Bis 2022 sollen alle Kernkraftwerke vom Netz gehen. Weg von der Kernenergie hin zu erneuerbaren Energien. Dass dies für den Erfolg der Energiewende alleine nicht ausreicht, hat die Europäische Kommission erkannt. Mit der Europäischen Energieeffizienzdirektive (EED) hat man 2012 alle Mitgliedsländer verpflichtet, systematisch Energie einzusparen. Die EED sieht unter anderem vor, bis Ende 2016 in Europa Mehrfamilienhäuser mit zentraler Heizungsanlage mit entsprechenden Heizkostenverteilern beziehungsweise Wärmezählern auszustatten, um bei den Bewohnern mehr Bewusstsein für den Energieverbrauch zu schaffen.

Das Gesetz sieht auch vor, den Endenergieverbrauch bis 2050 um die Hälfte zu reduzieren.

Frankreich greift dies nun auf und hat jüngst ein umfassendes Reformgesetz zur Energiewende, das Transition Law, verabschiedet. Innerhalb von zehn Jahren soll entsprechend nicht nur der Anteil an Atomstrom deutlich sinken. Das Gesetz sieht auch vor, den Endenergieverbrauch bis 2050 um die Hälfte zu reduzieren. Um diese Ziele zu erreichen, will die französische Regierung die Gebäudesanierung vorantreiben, Elektroautos fördern und neue Finanzierungsmöglichkeiten für erneuerbare Energien bereitstellen. Darüber hinaus verpflichtet sie die Einwohner Frankreichs zum Submetering, das heißt zur individuellen Erfassung, Abrechnung und transparenten Visualisierung von Energieverbrauchsdaten in Mehrfamilienhäusern. Die individuelle Ablesung der Kaltwasserverbräuche ist schon seit Jahren Standard in Frankreich, jetzt sollen auch Wärme und Warmwasser nicht länger nach Quadratmetern auf die Bewohner verteilt werden. Damit setzt Frankreich als weiteres großes europäisches Mitgliedsland in einem ersten Schritt die Vorgaben der EED um. Auf diese Weise soll der Verbrauch verringert, die Effizienz gesteigert und die Umwelt geschont werden.

 Submetering im öffentlichen Sektor

Gerade für den einkommensschwächeren Teil der Bevölkerung ist eine solch niedriginvestive Maßnahme mit vergleichsweise großer Wirkung wie das Submetering von besonderer Bedeutung: Erfahrungswerte in Ländern wie Deutschland oder Dänemark, die eine entsprechend individuelle Heizkostenabrechnung für Mieter bereits seit Jahrzehnten umsetzen, zeigen: Die Motivation, den eigenen Verbrauch und die damit verbundenen Kosten zu reduzieren, steigt durch diese Transparenz erheblich. Die EU-Kommission schätzt die so erzielbaren jährlichen Einsparungen auf 15 bis 25 Prozent des jeweiligen Wärmeverbrauchs in Mehrfamilienhäusern.

Sobald es eine Unregelmäßigkeit gibt und mehr Wasser als gewöhnlich fließt, wird ein Alarmsignal gesendet und dem ista Kunden auf dem Webportal angezeigt.

5 Millionen der Mehrfamilienhäuser in Frankreich sind Sozialwohnungen und befinden sich in öffentlicher Hand. Hier wird der Energieverbrauch größtenteils entsprechend der Wohnungsgröße auf die Mieter umgelegt. Mit dem neuen Gesetz muss sich dies nun ändern. Um Mieter dabei zu unterstützen, ihren Energie- und Wasserverbrauch selbständig zu reduzieren, wurde festgelegt, dass Vermieter auch im sozialen Wohnungsbau ihren Mietern mindestens einmal im Jahr ihre individuellen Verbrauchsdaten zur Verfügung und auf dieser Basis die entsprechenden tatsächlichen Kosten abrechnen müssen. Für die Mieter ein Riesenvorteil, da sie so eigenständig ihren Verbrauch kontrollieren und regulieren können. Im Neubaubereich muss dies sogar auf monatlicher Basis geschehen, dies fordert die Wärmeverordnung RT 2012. Hier geht man also bereits einen Schritt weiter hin zu mehr Transparenz und damit zu mehr Energieeinsparung.

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Kosten sparen mit Leakage Detection

Verbrauchstransparenz ist für Frankreich kein Novum: Insbesondere mit Blick auf den Wasserverbrauch gilt Frankreich als Vorreiter. Über Rohrleitungsschäden können Wasserverluste über lange Zeit unentdeckt bleiben und zu bösen Überraschungen bei der Abrechnung sowohl für den Vermieter, aber auch für den Mieter führen. Allein durch einen tropfenden Wasserhahn können bereits bis zu vier Liter Wasser pro Stunde verloren gehen. Bei einer defekten Toilettenspülung ist es sogar das Fünffache. Energiedienstleister ista Frankreich hat deshalb ein Frühwarnsystem für übermäßige Wasserverluste für den französischen Markt entwickelt. Regelmäßig werden über die für die Abrechnung ohnehin bereits installierten Zähler die Wasserflussmengen per Funk an ista übertragen. Sobald es eine Unregelmäßigkeit gibt und mehr Wasser als gewöhnlich fließt, wird ein Alarmsignal gesendet und dem ista Kunden auf dem Webportal angezeigt. Reparaturarbeiten können schnell eingeleitet und hohe Kostenexplosionen vermieden werden. Zum Vergleich: Im Schnitt betragen die durchschnittliche Wasserverbrauchskosten 660 Euro pro Jahr. Ein einfaches Toilettenleck kann diese leicht verdoppeln. Diese Alert-Funktion wird auf weitere Bereiche wie Temperatur oder Rauchentwicklung ausgeweitet, so dass ein vernetztes smartes System entsteht, das die Chancen der Digitalisierung voll ausschöpft und zur Effizienzsteigerung und zum Klimaschutz beiträgt.

Sozialbauten = intelligente Gebäude – ein Widerspruch?

Ob Wasser oder Wärme – damit Hauseigentümer und Verwalter Daten vollautomatisiert erfassen, bearbeiten und auf dieser Basis individuelle Abrechnungen erstellen können, sind integrierte Lösungen für die Immobilienwirtschaft notwendig. Die Softwarelösungen von Aareon in Kombination mit den Energiemanagementsystemen von ista bieten dabei ein Höchstmaß an Datenschutz und Qualität jetzt auch auf dem französischen Markt.

Die Betreiber von Sozialwohnungen und der Staat gehen sogar noch weiter und suchen nach starken Partnern wie ista, um die Gebäude noch intelligenter und somit effizienter zu machen. Bündelangebote, die zum Beispiel die Verbrauchsdaten mit der Heizungssteuerung verbinden und über Portale die verschiedenen Parteien darüber informieren, sind nur erste Beispiele, mit denen sich ista auseinandersetzt. Durch öffentliche Veranstaltungen und Ereignisse wie zum Beispiel die UN-Klima Konferenz 2015 in Paris (COP21) erhalten diese Themen noch größere Bedeutung und erfahren weiteren Auftrieb in Frankreich.

Bildcredit: grasundsterne