calendar 09.05. 2016

Der NAPE bringt Strategie in die Energieeffizienzpolitik

Lange Zeit war Energieeffizienz der schlafende Riese – großes Potenzial zur Energieeinsparung, das nicht genutzt wird. Im Rahmen von Energiewende, Klimaschutz und steigenden Energiepreisen ist die Energieeffizienz mehr in den Fokus gerückt. Vor diesem Hintergrund hat die Bundesregierung Ende 2014 den Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) aufgestellt und veröffentlicht.

Energieeffizienz soll mit dem NAPE eine Strategie erhalten und gezielt unterstützt werden. Was gehört zu dieser Strategie und wie sieht es fast 1,5 Jahre später aus mit der Umsetzung? Mit dem Aktionsplan sollen Rahmenbedingungen und Anreize gesetzt werden, um das vorhandene Potenzial zur Steigerung der Energieeffizienz möglichst kostengünstig heben zu können. Denn die umweltfreundlichste und günstigste Energie ist die, die wir nicht benötigen. Der NAPE betrifft die verschiedensten Bereiche: vom privaten Haushalt über Gebäude bis zur Industrie. Die Ziele der einzelnen Maßnahmen orientieren sich am Gesamtziel der Bundesregierung, den Primärenergieverbrauch bis 2020 um 20 Prozent und bis 2050 um 50 Prozent zu reduzieren.

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Aktueller Stand des NAPE und der Umsetzung

Die wesentlichen Bestandteile des NAPE sind folgende Sofortmaßnahmen, die noch umgesetzt werden müssen, bereits umgesetzt oder auch in der Umsetzung gescheitert sind:

  • Die steuerliche Förderung von energetischen Sanierungen war einer der größten Posten, ist jedoch am Widerstand der Bundesländer bei der Finanzierung gescheitert.
  • Die Weiterentwicklung des CO2-Gebäudesanierungsprogramms ist Anfang 2016 mit neuen Kombinationslösungen in Kraft getreten, zum Beispiel für die Heizungssanierung.
  • Die Einführung eines wettbewerblichen Ausschreibungsmodells für die Energieeffizienz im Stromsektor soll noch im ersten Halbjahr 2016 gestartet werden.
  • Eine Förderung des Einspar-Contractings ist bereits umgesetzt, ebenso wie die Weiterentwicklung der Energieeffizienzprogramme der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).
  • Die Initiative Energieeffizienz-Netzwerke kommt langsam in Gang, benötigt aber mehr Geschwindigkeit, um das Ziel der 500 Energieeffizienz-Netzwerke bis 2020 zu erreichen.
  • Eine Top-Runner-Strategie für die effizientesten Elektrogeräte auf nationaler und auf EU-Ebene ist noch in Arbeit, ein Zeitpunkt für die Umsetzung ist aktuell nicht bekannt.
  • Die Energieauditpflicht für Nicht-KMU (Kleine und mittlere Unternehmen) gilt seit dem 5. Dezember 2015.
  • Das nationale Effizienzlabel für bestehende Heizungsanlagen gibt es seit Anfang 2016 auf freiwilliger Basis.

(Quelle: NAPE-Meter der DENEFF)


Ob das Ziel der Energieeffizienzeinsparungen erreicht wird, ist noch offen

In 2016 plant die Bundesregierung weitere Themen anzugehen; so sollen das Energiesparrecht an Gebäuden vorangebracht und das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) und die Energieeinsparverordnung (EnEV) besser aufeinander abgestimmt oder zusammengelegt werden.

Nach der Analyse der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V. (DENEFF) vom 24. März 2016 sind damit bereits zwei Drittel der Vorhaben aus dem NAPE auf den Weg gebracht. Trotz des Erfolges ist der Verband noch skeptisch, ob die geplanten Einsparungen erreicht werden. Mit dem Wegfall der steuerlichen Förderung von Sanierungen fehlt ein wichtiger Teil im Aktionsplan, der von anderen Maßnahmen nicht vollständig kompensiert werden kann. Der Beitrag der Industrie mit den Energieeffizienz-Netzwerken kommt nur langsam voran und der Erfolg der wettbewerblichen Ausschreibungen, die sich nur auf den Stromsektor beschränken, ist ungewiss.

Ausblick in die Zukunft der Energieeffizienzpolitik

Trotz aller Skepsis ist der Fortschritt in Sachen Energieeffizienz enorm. Nachdem Energieeffizienz bisher vereinzelt betrachtet und anderen Akteuren wie der EU überlassen wurde, ist jetzt eine Strategie sichtbar. Ob sie Früchte trägt – mit spürbaren Erfolgen in der Reduzierung des Primärenergieverbrauchs – wird sich aber erst noch zeigen.

Der NAPE ist erst der Anfang eines längeren Prozesses für eine gezielte Betrachtung der Energieeffizienz in der Energiepolitik. Der gesamte Prozess, der mit dem Aktionsplan gestartet wurde, soll in einem Grünbuch-Prozess fortgeschrieben werden und eventuell in einem Energieeffizienzgesetz münden.

Energieeffizienz ist auf dem Weg zu einem integralen Bestandteil der Energiepolitik.

Für die Zukunft gibt es weitere Themen, die in diesem Prozess der Energieeffizienz-Strategie Eingang finden können. Ganz oben steht das Potenzial zur Energieeinsparung durch eine umfangreiche Digitalisierung des Energiemanagements, zum Beispiel im Gebäudesektor oder in der Industrie. Auch das Prinzip „Efficiency First“, das EU Energiekommissar Miguel Arias Canete ins Spiel gebracht hat, kann dem Thema Energieeffizienz eine größere Bedeutung verleihen. Dabei wird Effizienzmaßnahmen ein Vorrang eingeräumt, wenn diese günstiger sind als der Neubau von Erzeugungskapazitäten oder von Infrastruktur.

Energieeffizienz ist nun auf dem Weg zu einem integralen Bestandteil der Energiepolitik – als zweite Säule der Energiewende. Diese Politik muss sich jedoch bald an ihren Wirkungen messen lassen. Können die gewünschten Einsparungen wirklich erreicht werden?


NAPE-METER (Umsetzungsstand des Nationalen Aktionsplans Energieeffizienz)

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NAPE-Meter Quelle: DENEFF


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