calendar 08.08. 2017

Die effizientesten regenerativen Kraftwerke

Die Menschheit hat sich immer wieder neuen Herausforderungen stellen müssen. Heute ist es der Klimawandel. Wissenschaftler forschen unermüdlich, um unserer Erde zu helfen und was dabei herauskommt, ist teilweise unvorstellbar. Deshalb haben wir uns auf die Suche nach den fünf spannendsten Projekten in den Bereichen Solar-, Wasser-, Windkraft, Biomasse und Erdwärme begeben. Entdecken Sie unsere Big Five der atemberaubendsten Projekte regenerativer Energien.

1. Das Solarkraftwerk Noor in der Wüste Marokkos

Solarkraftwerk_Noor
Das Werk Noor 1 in Ouarzazate, Marokko, mit seinen zahlreichen Spiegeln. (Copyright Masen)

Bislang steht das größte solarthermische Kraftwerk Ivanpah – mit rund 300.000 Spiegeln – in der Wüste Arizonas, USA. Dort versorgt es 140.000 Haushalte mit Energie und beansprucht eine Fläche von zehn Quadratkilometern. Doch schon bald wird die Photovoltaikanlage durch einen marokkanischen Komplex der Superlative vom Thron gestürzt. Der in Ouarzazate liegende Solarpark von rund 30 Quadratkilometern soll ab Ende 2018 die Energieversorgung für 350.000 Menschen übernehmen. Gebildet wird das Kraftwerk aus vier verschiedenen Teilen. 2016 wurde mit dem Bau des Noor 1 begonnen und es kann schon jetzt 160 Megawatt (MW) erzeugen. 537.000 Spiegel fangen das Sonnenlicht ein und erhitzen in Rohren gelagerte Flüssigkeiten. Der dabei entstehende Dampf treibt Turbinen an, die letztlich die Energie erzeugen. Nach Fertigstellung des letzten Kraftwerks 2018 kann der jährliche marokkanische CO2-Ausstoß um rund 888.600 Tonnen reduziert werden.

2. Drei-Schluchten-Staudamm

Drei Schluchten Staudamm
Gewaltige Wassermassen bilden den Stausee des Drei-Schluchten-Staudamms in China. (Copyright Jejim / Shutterstock)

Im Südosten Chinas, in der Provinz Hubei, befindet sich der Drei-Schluchten-Staudamm – das größte Wasserkraftwerk der Welt. Die Kraft des Wassers macht nach Angaben des World Energy Councils, Stand 2016, 16,4 % der weltweiten Energieversorgung aus und China ist in diesem Bereich mit Abstand Vorreiter. Das Land wandelt Wasser in so viel Energie um, wie aus 96,6 Millionen Tonnen Öl gewonnen werden könnte. 2.309 Meter lang ist die Talsperre und übertrifft mit stolzen 185 Metern Höhe sogar den Kölner Dom. Wasser liefert der Jangtsekiang, der längste Fluss Asiens und nach Nil und Amazonas der drittgrößte Strom der Welt. In Seen aufgestautes Wasser schießt 185 Meter in die Tiefe, bevor es dann am Fuß der Mauer die 32 Turbinen antreibt. Diese erzeugen so viel Energie wie 15 Atomkraftwerke. Betreiber „China Three Gorges Corporation“ plant bereits das nächste Projekt, welches fast die doppelte Menge an Strom und Wärme erzeugen soll.

3. Das größte Windrad der Welt

Windkraftanlage
Bau des größten Windrads der Welt. Ein 3.000 Tonnen schwerer Turmdrehkran setzt den Turm Stück für Stück zusammen, bis schließlich die 13 Meter hohe und 5 Meter lange Gondel in 115 Metern Höhe montiert wird. (Copyright Adwen)

Beim Thema Windenergie können die Deutschen mitreden, denn das größte Windrad der Welt befindet sich im Norden Deutschlands, um genau zu sein in Bremerhaven. In 115 Metern Höhe ist die Gondel montiert, an der die drei Rotorblätter befestigt sind. Jeder dieser Giganten hat die Länge von 88 Metern und verlängert das Windrad auf 203 Meter, wenn sich ein Rotorblatt gen Himmel streckt. Damit ist es 40 Meter höher als die Cheopspyramide, die als Teil der Pyramiden von Gizeh zu den sieben Weltwundern der Antike zählt. Die leistungsstarke Windkraftanlage hat eine Nennleistung von 8 Megawatt und wurde bereits für weitere Projekte ausgewählt. An der französischen Küste sollen mehrere ihrer Art durch Windenergie rund 1,5 Gigawatt  erzeugen, das entspricht 1.500 Megawatt. Zum Vergleich: Mit einer Leistung von einem Megawatt können theoretisch etwa 570 Haushalte mit Energie versorgt werden.

 

4. Biomasse als Energieträger – die Enea Power Plant

Enea power plant
Das Enea Biomassekraftwerk in Połaniec bei Nacht. (Copyright Enea S.A)

Das Biomasse Kraftwerk „Enea Power Plant“, eines der größten seiner Art und mit einer Leistung von 200 MW, steht in Połaniec in Polen. Um Energie zu erzeugen, verbrennt es Biomasse. Dazu wird Sonnenenergie genutzt, die in der organischen Substanz gespeichert ist, die durch Pflanzen, Tiere oder aber auch Menschen anfällt oder erzeugt wird. In Połaniec werden hauptsächlich Holzhackschnitzel und landwirtschaftliche Reststoffe als Brennstoff genutzt, wodurch Wasser erhitzt wird, das wiederum die energieerzeugende Turbine antreibt. Ein Vorteil ist hierbei, dass landwirtschaftliche Biomasse viel schneller produziert werden kann als Holz. Jarosław Mlonka, CEO des ehemaligen Betreibers „Foster Wheeler Energia Polska“, zufolge sei es ein Problem gewesen, einen geeigneten Kessel zu entwickeln, der trotz der geringen Verbrennungstemperatur des Materials genug Wärme erzeugt. Entstanden ist das Biomassekraftwerk aus einem alten Kohlekraftwerk, dessen Umbau rund 290 Millionen US-Dollar kostete. Mittlerweile wird es von Enea SA betrieben.

5. Nutzung der Erdwärme – Islands Hellisheidarvirkjun

Geothermie auf Island
Die Geothermieanlage Hellisheidarvirkjun auf Island ermöglicht ein effizientes Nutzen der Erdwärme. (Copyright Arni Saeberg)

Das effizienteste Geothermiekraftwerk der Welt befindet sich auf Island. Geothermie lässt sich ebenfalls hervorragend zur Strom- und Wärmeerzeugung nutzen. Im Erdkern herrschen wissenschaftlichen Schätzungen zufolge bis zu 6.000° Celsius. Um einen effizienten Nutzen aus der Erdwärme zu ziehen, erfordert es im Normalfall jedoch einiges an Aufwand. Bestimmte Regionen eignen sich dafür besser als andere. Island weist durch das Auseinanderdriften der nordamerikanischen und eurasischen Platte eine hohe vulkanische Aktivität auf. So kann sich in der Tiefe liegendes Magma, heißes Wasser und Dampf den Weg zur Erdoberfläche bahnen. „Hellisheidarvirkjun“, eines der größten Geothermiekraftwerke der Welt, liefert 400 MW Energie und versorgt mittlerweile 95 % der isländischen Bevölkerung mit Strom. Die nördlich von San Fransico liegende Geothermieanlage „The Geyser“ kommt zwar mit 725 MW auf fast die doppelte Leistung, doch steht für uns das isländische Werk auf Platz 1, denn Erdwärme kann auf der Insel so effizient genutzt werden, dass selbst Gewächshäuser und einige von Reykjaviks Straßen durch die Macht der Geothermie beheizt werden können.

 

Eine grüne Zukunft

Mit Einführung weiterer solcher Kraftwerke ließe sich der Ausstoß von Treibhausgasen stark reduzieren. Auch wenn US-Präsident Donald Trump seinen Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen unter anderem mit dem Wegfall von zu vielen Arbeitsplätzen im Industriesektor rechtfertigt, eröffnen sich doch viele alternative Möglichkeiten im Bereich erneuerbarer Energien. Und wie heißt es doch immer so schön: Auch jeder Einzelne kann seinen Beitrag leisten. Durch die Nutzung von Erdwärmepumpen oder Solarzellen können wir dem Klimawandel und der Erderwärmung entgegenwirken und unserem Planeten helfen.