calendar 17.01. 2018

Die guten Vorsätze fürs neue Jahr

Gute Vorsätze fürs neue Jahr? Was soll besser werden? Und was können wir dazu beitragen? Solche Gedanken gehen mir gerade durch den Kopf. Ich komme nämlich gerade vom Arzt zurück. Dass ich immer wieder mal Raubbau mit meinem Körper betreibe, war mir klar, aber ich dachte: Ich hab gute Gene - das geht schon. Jetzt hat er mir Tabletten verschrieben… und weniger Stress.

Nun sitze ich also hier und bin kurz davor, einen Zettel auszufüllen, mit Neujahrsvorsätzen und Wünschen für das neue Jahr. Während Sie diesen Artikel zu Beginn des neuen Jahres lesen, kommt Ihnen das vielleicht bekannt vor, auch wenn Sie gar keine Tabletten nehmen müssen und auch sonst rundum glücklich sind.

ToDo-List für 2018
Neujahrsvorsätze zu definieren, kann ganz schön schwer fallen. Was auf der Liste landet und verfolgt wird, sollte gut überlegt sein.

Man kommt nämlich nur schwer drumherum:
Die Gesundheitsbranche lässt nicht locker und die Mentalcoaches, Lifestyleexperten und Motivationsgurus stimmen gerne ein:
„Neues Jahr – neues Glück – neue Chance! Jetzt den inneren Schweinehund überwinden! Jetzt endlich mal mehr auf sich selbst achten!“

 

 

Ihre Appelle und Trainings betreffen die immergleichen Themen:

  • Weniger Stress
  • Mehr Bewegung und Sport
  • Gesündere Ernährung, weniger rauchen, weniger Alkohol
  • Genug schlafen
  • Mehr Zeit für Freunde und Familie und vor allem für sich selbst

Garniert wird das dann gerne mit Mantras wie „Wenn Sie nur wirklich wollen, hält Sie keiner auf!“.

Gute Vorsätze? Wir haben doch Zeit…

Und damit haben sie uns dann am Wickel. Weil ja alles so logisch klingt. Weil es aber zugleich so trivial ist und so wenig konkret, fängt man schon wenig später an, sich das Ganze auszureden: Denn jeder kennt Geschichten von Leuten, die Sport hassen, keine Zahnseide im Badezimmerschrank haben und als Hundertjährige ohne eine einzige Zahnlücke sterben. Und Geschichten von Menschen, die erst als Rentner einen Hit, einen Bestseller oder einen Bestzeitmarathon hingelegt haben. Hat also noch Zeit, denkt man sich und wendet sich ab.

Außerdem können Optimierungsangebote geradezu einen Widerwillen auslösen, wenn die Ziele und guten Vorsätze viel zu weit gesteckt sind.

Motivation und Disziplin?

Besonders ungeschickt hat es ein Unternehmensberater gemacht, für den ich einen Vertriebsevent in einer Firma organisieren musste:

Er hat einen ehemaligen „Ironman“ als Motivator in die Veranstaltung eingeladen. Der Mann war schon 50, aber wirklich gut in Schuss: Talliertes Hemd, straffe Konturen und so weiter. Er hat dann eine Powerpoint mit Bildern projiziert und dabei kommentiert, wie er seine Optimierungsgruppe in seinem Boot-Camp durch Matsch und Frost gepeitscht hat, bis die Zehen angefroren waren und die Nerven blank lagen. Laufen, klettern, über eisige Bäche springen und so weiter.

Ich habe gespürt, wie die Außendienstler im Publikum langsam anfingen zu stöhnen und sich verstohlen angeschaut haben. Denn natürlich saßen da keine hard-boiled Super-Heroes. Keiner war wie der Ironman auf der Bühne. Sondern Menschen wie Sie und ich: Der eine mit Bäuchlein, die andere klein und dünn, aber alle sehr nett und umgänglich.

Ihr Chef, der Vertriebsleiter, hat die Situation am Ende gerettet und süffisant zu seinen Kollegen gesagt: „Also, wenn Sie sowas glücklich macht, können Sie bei uns leider nicht mehr arbeiten.“

Womit er sagen wollte: Ego-Shooter, die nur vorwärts stürmen, ihre persönlichen Ziele verfolgen und sich nicht dafür interessieren, wer von der Gruppe auf der Strecke bleibt, sind für ein modern geführtes Unternehmen nicht so recht geeignet

Wir brauchen realistische Lebensziele

Daran denke ich vor meinem leeren Wunschzettel und bin mir sicher:

Ich muss realistische Ziele formulieren, die ich konkret umsetzen kann. Surfen lernen und Gletscherski fahren geht nicht, weil ich das eben nicht konkret umsetzen kann. Hier gibt’s keine Berge und keine glitzernden Wellen, sondern seit Wochen nur Nieselregen. Und als teetrinkender Nichtraucher Marathon zu laufen ist nicht realistisch, weil ich einfach nicht der Typ dafür bin. Muss ich mich jetzt etwa neu erfinden? Nein, denke ich und drehe das leere Blatt um: Dort ist es leider auch nur weiß.

Der Wandel zum Besseren

Die japanischen Kanji des „Kaizen"
Die japanischen Kanji des „Kaizen“ – dem Wandel zum Besseren.

Jetzt googel ich www.neujahrsvorsaetze.de, moderiert von Prof. Dr. Knobloch. Der sagt mir auch nichts Neues, aber er plädiert deutlich dafür, sich seinen Zielen in kleinen Schritten zu nähern.

Dafür haben die Japaner zwei Zeichen: Kai = Wandel und Zen = zum Besseren.

Kaizen, das Bemühen um ständige Verbesserung, heisst auf ingenieursdeutsch KVP: Kontinuierlicher Verbesserungsprozess. Das klingt mir aber zu technisch für meine persönliche Wandlung.

 

Erfolgserlebnisse und Ehrgeiz

Aber mir fiel jetzt auf: All die Verbesserungsideen kommen wohl deshalb nicht so recht zum Zug, weil wir von einer ganz anderen Idee beherrscht werden: Nämlich besser, schneller und cleverer zu sein als die anderen. Dieser Ehrgeiz ist ein anthropologisches Erbe aus uralter Saat. Man kann es nicht einfach ausschlagen. Und selbst wenn: Antriebslos herumzuwuseln ist auch nicht lustig. Aber der Ehrgeiz, der uns nach der Pubertät begrüßt, verabschiedet sich im Alter nicht einfach so. Wir haben uns an ihn gewöhnt. Warum hören so viele nicht auf zu arbeiten, obwohl sie längst genug geleistet haben? Es ist das Selbstwertgefühl, das immer wieder beflügelt werden muss und uns auf Trab hält, uns motiviert.

Dieser Ehrgeiz ist ja ganz OK, aber manchmal habe ich den Eindruck, auf der Straße liefen nur noch Ironmen herum. Man ist immer beschäftigt, immer „auf Termin“ und hat eigentlich gar keine Lust, mal müßig zu sein, weil man kaum noch weiß, wie das geht.

Der erste Vorsatz fürs neue Jahr

Hinzu kommt: Eine digitale Klick-Mentalität hat uns alle erfasst. Klick = Entscheidung = Resultat. Da ist einem der Blick auf Dinge, die man nicht sofort versteht und das Gespräch mit Leuten, die anders sind als man selbst, schon viel zu kompliziert und zeitkritisch geworden.

Mir sowas mal in kleinen Schritten abzutrainieren, das nehme ich mir jetzt vor.
„Weniger klicken – Mehr reden und rausgehen“, schreibe ich auf den Zettel.

2018: Altes besiegen

Am nächsten Tag, im Stau an der Supermarktkasse, steht ein altes Mütterlein vor mir am Band. Darauf hat sie 2 Tafeln Schokolade und 2 Schnäpse-to-Go gestellt. „Die Schokolade ist ein Tarnkauf“, denke ich. „Und die 2 Shots sind dafür da über den Tag zu kommen“. Statt nun gleich „Zweite Kasse bitte!“ zu rufen, besinne ich mich auf meinen Zettel.
„Na, was gibt’s denn bei Ihnen so zu Mittag?“, frage ich sie ganz frech. Sie reißt die Augen auf.
„Der Vodka? Der ist für die Müllmänner! Die kriegen von mir immer was zu Weihnachten und zum neuen Jahr auch. Und die Schokolade ist für meinen Enkel. Dann ist der beschäftigt. Ich hab nämlich kein Internet!“. Sie lächelt mich an.
Da wusste ich: 2018 wird das Jahr einer neuen Bewegung sein. Und wir beide sind Gründungsmitglieder.

Vielleicht machen Sie ja mit?

Mit ganz neuen Selbstwertgefühlen
Ihr Outsider