Entweder oder, Herr Pieper?

29.08.2016

Dr. Markus Pieper, Europaabgeordneter des CDU-Bezirksverbands Münsterland und Berichterstatter der Energieeffizienzrichtlinie, engagiert sich für mehr Europa und eine europäisch gedachte Energiewende. Und vor allem: Weniger Bürokratie und mehr Spielraum für die Mitgliedsstaaten. Ganz unbürokratisch haben wir ihm fünf „Entweder oder“-Fragen gestellt.

Richtlinie oder freier Markt?

Die Erhöhung der Energieeffizienz um 20 % bis 2020 oder um 27 % bis 2030 ist leider eine starre Vorgabe der EU-Richtlinie. Denn es geht nicht, ja gar nicht, um Effizienz, also um eine Verbesserung des Energieeinsatzes je Produkteinheit; sondern ausschließlich um einen gesetzlichen Einsparzwang von Energie. Daher müssen wir bei der Überarbeitung der Richtlinie dem Markt mehr Spielraum geben. Anreize wie Steuererleichterungen für Einsparinvestitionen, Förderprogramme oder EU-Benchmarks für bewährte Contracting-Modelle müssen auf die Einsparvorgaben für die Mitgliedsstaaten angerechnet werden dürfen. So bringen wir Richtlinie und freien Markt zusammen.

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Windrad oder Kraftwerk?

Zwischen Windrad und Kraftwerk gibt es keinen Widerspruch. Klug gemanagte Windenergie ist bereits speicherfähig. Damit aber Energiepreise nicht in die Höhe schießen und auch um Ausfälle in schwierigen Situationen zu vermeiden, brauchen wir den Ausgleich durch konventionelle Kraftwerke. Diese werden immer effizienter und auch noch viele Jahre eine Rolle in der Grundlast spielen.

Energieerzeugung oder Energieeffizienz?

Durch Energieeinsparung und mehr Effizienz der eingesetzten Energie leisten wir einen entscheidenden Beitrag zur Ressourcenschonung. Das müssen wir mit viel Marktwirtschaft und wenig Ideologie begleiten. Ich frage mich derzeit, warum die Mehrheit im Europaparlament einen Einsparzwang auch für erneuerbare Energien fordert. Es darf doch nicht um Wachstumsbeschränkung gehen. Vielmehr müssen wir Wachstum ökologischer gestalten. Also: Mehr effiziente und ökologische Erzeugung von Energie.

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Gebäude oder Nutzer?

Die Verantwortung liegt klar beim Nutzer bzw. Eigentümer. Von ihm muss die Bereitschaft zu energieeffizientem Handeln ausgehen. Geschieht dies durch Zwang und Regulierungen wird es teuer. Besser sind gezielte Anreize. Mehr Transparenz des eigenen Verbrauchsverhaltens ist ein solcher Anreiz für Investition in mehr Einsparung. Skeptisch bin ich bei Vorgaben für Null- oder Niedrigstenergiegebäude. Zum einen, weil immer mehr über umweltfreundliche Energieträger geheizt wird. Zum anderen, weil die klimatische Situation im Baltikum eine andere als in Griechenland ist. Man kann nicht alles über einen Kamm scheren.

Information Gebäuderichtlinie

Die Gebäuderichtlinie hat zum Ziel, die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden in Europa zu erhöhen. Unter anderem fordert die Richtlinie die Mitgliedsstaaten dazu auf, Niedrigstenergiegebäude als Standard für alle Neubauten ab 2021 einzuführen, darüber hinaus sieht sie die Energiezertifizierung in Form von Energieausweisen und Bewertungsregeln für Gebäude auch unter Berücksichtigung der CO2-Emissionen vor. Die ursprüngliche Richtlinie wurde 2002 entworfen, 2010 kam es zu einer Neufassung und bis Ende 2016 soll die Gebäuderichtlinie erneut novelliert werden.

Energydrink oder Kaffee?

Kaffee. Genauer gesagt ein doppelter Espresso, schwarz. Ist irgendwie auch nachhaltiger …

 

Dr. Markus Pieper, Europaabgeordneter des CDU-Bezirksverbands Münster, diskutiert mit Thomas Zinnöcker, CEO ista, über die Zukunft der Energieeffizienz. Er plädiert dafür, europäisch zu denken, Bürokratie zu reduzieren und mehr Flexibilität zu etablieren. Das Ziel: den freien Markt und die Energieeffizienzrichtlinie zusammenzubringen.

Bildcredit: grasundsterne, ista