Gewinn vom Dach

01.08.2016

Solarzellen auf Eigenheimen oder auf Fabrikhallen sind uns allen ein längst vertrauter Anblick. Aber Photovoltaik-Anlagen auf großen Mietshäusern? Sie sind noch immer die Ausnahme. Das könnte – und sollte – sich bald ändern.

Denn Sonnenstrom für Mieter zu erzeugen, entwickelt sich gerade zu einem attraktiven Geschäftsmodell. Von dem Vermieter, Stadtwerke und andere Energieversorger sowie nicht zuletzt die Bewohner profitieren können. Und das hilft, das Klima zu schützen, weil weniger Treibhausgase in die Umwelt gelangen.

Jetzt liegt es an den Vermietern, die Chance zu ergreifen, etwas für den Klimaschutz zu tun.

Mit gutem Beispiel voran: Das „Aktiv-Stadthaus“ in Frankfurt

Wie so etwas in der Praxis aussieht, zeigt das Beispiel des Aktiv-Stadthauses im Westen der Frankfurter Innenstadt. Auf dem Dach und der Fassade des Gebäudes mit 74 Wohnungen sind weit über 1000 Solarmodule montiert. Produzieren die mehr Strom als die Bewohner verbrauchen, speichert eine Batterie im Keller die Energie beispielsweise für die Nacht. Zusätzlich gibt es eine Ladestation für Elektroautos und für E-Bikes. Jeder Mieter hat ein Tablet, über das er seinen Stromverbrauch kontrollieren kann. Er sieht so, ob er mehr Energie benötigt als der Durchschnitt der Bewohner im Gebäude. Vermieter des preisgekrönten Hauses ist die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG. Beteiligt ist der lokale Energieversorger Mainova.

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Nicht nur Neubauten, auch bestehende Mehrfamilienhäuser eignen sich für das Konzept solarer Mieterstrom. Typischerweise verpachtet der Besitzer des Gebäudes seine Dachfläche an einen Energieversorger – und erzielt so zusätzliche Einnahmen. Das Stadtwerk oder ein anderer Dienstleister errichtet und betreibt die Solaranlage. Die KfW unterstützt, wenn ihre Kriterien erfüllt sind, derartige Vorhaben mit zinsvergünstigten Krediten.

Photovoltaik-Anlagen für Mehrfamilienhäuser

Für die Mieter ist es attraktiv, den Sonnenstrom vom eigenen Hausdach zu beziehen, weil dessen Preis in der Regel günstiger als der marktübliche ist. Auf diese Weise nutzen Kundengruppen Ökostrom, die sich womöglich sonst nie für saubere Watts und Volts interessiert hätten. Zudem macht das günstige, nachhaltige Energieangebot die Immobilie attraktiver für neue Mieter. Ein weiterer Vorteil für den Besitzer. Die Stadtwerke wiederum grenzen sich als lokaler Anbieter, der die Kunden direkt vom heimischen  Dach versorgt, von überregionalen Wettbewerbern ab.

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Begrüßenswert ist, wenn einzelne Bundesländer wie Hessen solche Mieterstrommodelle fördern. Und dass Bundestag und Bundesrat im Zuge der jüngsten Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) gerade beschlossen haben, die EEG-Umlage für diese Modelle zu reduzieren. Jetzt liegt es an den Vermietern, die Chance zu ergreifen, etwas für den Klimaschutz zu tun.

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