calendar 25.10. 2018

Green Gadgets sind leider nur ein Ablenkungsmanöver

Durch technischen Fortschritt und unser grünes Gewissen könnten wir umweltbewusster leben. Das klappt aber nicht, weil jeder Gewinn an Energie, Zeit oder Geld sofort durch mehr Konsum zunichte gemacht wird. Denn: Je grüner das Produkt, desto eher kann man sich mal wieder was gönnen.

Ein sehr gutes Beispiel dafür ist der Rebound-Effekt. Das Haus ist gerade saniert und die energetischen Baumaßnahmen zum Einsparen von Heiz- und Energiekosten sind damit abgeschlossen. Das ist gut für unser grünes Gewissen und unsere Umwelt. Aber dennoch zeigt die jährliche Abrechnung, der Verbrauch ist gestiegen. Wie kann das sein? Ganz einfach: Nach einer aufwendigen und oft teuren Sanierung denken Hausbewohner, dass sie nun bereits genug getan haben und nicht mehr so sehr auf das Energiesparen und den Ressourcenverbrauch achten müssen. Verkehrte Welt. Ähnlich ist es mit den Green Gadgets.

GREEN GADGETS: MANCHMAL EINFACH NUR SCHNICKSCHNACK

Neulich schickte mich meine Freundin in einen dieser Läden, die man als Mann eher selten betritt: Dort gibt es Duftkerzen, Filz-Cover fürs Tablet und Edelstahlwinkel, an die man seinen Toast lehnen kann, damit er schneller abkühlt. Ich sollte ein Geschenk kaufen und nach dem „Basilikum-Gewächshaus“ fragen. Die Dame zeigte mir eine Plastikkiste, in der die Samen dank kleiner Solarzelle und LED-Beleuchtung sogar Nachts sprießen würden. Für 99 EUR wäre ich dabei. Ein Green Gadget wäre das, sagte die Dame. Ich bin anderer Meinung. Ich nenne sowas Green Unfug.

Natürlich gibt es Green Gadgets, die wirklich den Energieverbrauch senken oder wenigstens darauf aufmerksam machen, dass man es gerade mal wieder NICHT tut. Dennoch ist es mit Green Gadgets so, wie mit dem technischen Fortschritt: Es ist allerlei möglich, aber was hilfts?

DER TECHNISCHE FORTSCHRITT LÖST PROBLEME UND SCHAFFT ZUGLEICH NEUE

  • Mit LCD und LED kann man viel Strom sparen. Ergebnis: Das Cockpit eines Autos sieht heute aus wie der Kommandostand einer Raumfähre, unsere Städte leuchten abends wie Klein-Las Vegas, und viele Lichter sind den ganzen Tag an – kann ja nicht schaden. Doch, tut es.
  • Weil Festplatten für den gleichen Preis jedes Jahr doppelt so groß sind, wird jetzt gespeichert, was das Zeug hält. Jeder hat tausende Bilder, die er nie mehr braucht, auf dem Smartphone, auf Instagram, Pinterest, in der eigenen Cloud und auf dem PC. Und täglich wird alles synchronisiert. Strom sei dank.
  • Wir haben Wärmedämmung, leben aber als Single auf 80 qm. Deshalb wird in der Stadt gebaut wie irre: Verdichtetes Wohnen. Danach fehlen die Luftschneisen, die Luft wird schlechter statt besser.

EWIGES WACHSTUM ODER KLIMASCHUTZ?

Der technische Fortschritt und unser grünes Gewissen allein können das Klima nicht retten, solange wir unsere Gewohnheiten nicht ändern. Wenn wir nicht nur zwischen geflutetem Keller und Dürreperiode wählen wollen, sondern es noch um echte Optionen gehen soll, dann müssen sich jetzt alle zusammenraufen: Politik, Unternehmen … und wir. Das Undenkbare muss mal ins Auge gefasst werden: Dass sich unser Lebensstil und die Produktionsmethoden vielleicht wirklich ändern müssen…

Der aktuelle Sonderbericht des Weltklimarats IPCC haut in die gleiche Kerbe, da hilft auch kein solarbetriebener Milchaufschäumer.