calendar 03.02. 2016

Kleine Stupser, grosse Wirkung

Dr. Alexandra Hildebrandt, Bloggerin und Autorin für die Huffington Post, einer renommierten Online-Nachrichten- und Kommentarplattform, beschäftigt sich mit Energieeffizienz und der Bereitschaft zum nachhaltigen Handeln.

Die Energiewende ist eines der größten und anspruchsvollsten Infrastrukturprojekte seit der ersten industriellen Revolution. Neben der Umstellung auf erneuerbare Energien spielt die Energieeffizienz jedes Einzelnen für den Erfolg der Energiewende eine besonders wichtige Rolle. Das Problem ist nur, dass Energiesparen oftmals schwieriger ist, als man denkt. Schließlich hat man im Alltag andere Dinge im Kopf, als ständig auf das eigene Verbrauchsverhalten zu achten.

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Manchmal kann aber bereits ein kleiner „Stups“ ausreichen, um eine Entscheidung in die richtige Richtung zu lenken. Im Englischen heißt diese Strategie „Nudging“ („Anstupsen“), die zu Verhaltensänderungen ohne Druck führen soll. Bekannt wurde sie durch das gleichnamige Buch „Nudge“ (2008) des Ökonomen Richard Thaler von der Universität Chicago und des Harvard-Juristen Cass Sunstein. Darin geht es um die Frage, wie man Menschen darin unterstützen kann, zu ihrem eigenen Vorteil, zugleich aber auch zum Vorteil der Gesellschaft und Umwelt zu handeln. Denn wie Studien zeigen, handeln Menschen entgegen der bisherigen wissenschaftlichen Auffassung keineswegs rational. Vielmehr treffen sie unentwegt irrationale Entscheidungen.

Insbesondere Nachhaltigkeitsthemen brauchen in vielen Bereichen Übersetzungsarbeit und Stupser, weil es häufig an emotionalen Zugängen fehlt. Auf sanftes Einwirken auf die Psyche setzt vor allem die Werbebranche, die sich gern guter Geschichten bedient, um das Kaufverhalten potenzieller Kunden zu beeinflussen. Doch um Menschen auf glaubwürdige Weise zu erreichen, braucht es beides: Stupser und überzeugende Argumente, weshalb ein bestimmtes Verhalten richtig und erstrebenswert ist.

Manchmal kann ein kleiner ‚Stups‘ ausreichen, um eine Entscheidung in die richtige Richtung zu lenken.

Ein Beispiel dafür ist der aktuelle memolife Katalog (für Privatkunden) des Ökoversenders memo AG, der nicht nur Produkte enthält, die zum verantwortungsbewussten Konsum beitragen, sondern auch praxisorientierte Tipps zu einem nachhaltigen Lebensstil. Dazu gehören unter anderem Hinweise zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung, zur fairen Verwertung, Informationen zum Einkaufen und Kochen, zu Gesundheit und Wohlbefinden, zum ökologischen Reisen, zu Lifestyle- und Outdoorthemen – vor allem aber auch zum Energiesparen. Am Ende des Kataloges werden die wichtigsten Umweltzeichen und Label vorgestellt, die für Verbraucher ein wichtiger Wegweiser zu nachhaltig guten Produkten sind.

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Eine ähnlich positive Wirkung können aber auch Technologien haben. Tatsächlich ist das Submetering an dieser Stelle ein gutes Beispiel: Transparenz über den Wärmeverbrauch ist ein „Nudge“, da sie dem Verbraucher nachweislich hilft, sein Energieverbrauchsverhalten zu optimieren und dadurch ganz nebenbei Kosten und CO2 einzusparen. Denn wer weiß, wie viel Energie er verbraucht, geht bewusster mit ihr um. Wie Untersuchungen zeigen, haben bereits kleine Änderungen im Verbrauchsverhalten eine große Wirkung.

Letztlich ist der unauffällige Stupser stets mit drei Botschaften verbunden: dass es keinen erhobenen Zeigefinger braucht, um Dinge zu verändern, dass das Machbare immer vor uns liegt und dass wir den Weg zu mehr Nachhaltigkeit und Energieeffizienz nur in kleinen Schritten gehen können.



Bildcredit: grasundsterne, thinkstockphotos