Klimaschutz muss an Schulen in den Lehrplan

14.09.2018

Eines meiner prägendsten Schulerlebnisse war der Besuch einer Müllverbrennungsanlage. Noch heute habe ich den Geruch in der Nase, wenn ich im Supermarkt vor Lebensmittel stehe, die doppelt und dreifach verpackt sind. Dieses Bewusstsein verdanke ich meiner Lehrerin. Darum gehört praktischer Klimaschutz an Schulen verpflichtend in den Lehrplan.

An der Seite türmten sich gelbe Säcke meterhoch, es roch, nein es stank. Am Fließband schlitzen Frauen und Männer die Säcke auf und sortierten den Müll, der zu recyceln war. Kaum ein Erlebnis hat mir plastischer die Unmengen von Müll, den wir ständig im Alltag produzieren, vor Augen geführt. Und die Erkenntnis, dass eine umweltfreundliche Entsorgung sehr schwer möglich ist.

Diese Erfahrung habe ich nur dem Engagement einer einzelnen Lehrerin zu verdanken. Zum Glück gibt es viele Pädagogen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben keinen 0815-Unterricht abzureißen, sondern Klimaschutz an Schulen anschaulich zu vermitteln. Sie planen mit ihren Schützlingen Solaranlagen auf dem Schuldach, betreuen Gruppen, die sich dafür einsetzen auf dem Schulgelände Müll zu reduzieren, an Energiesparmeisterwettbewerben teilzunehmen oder in einer Garten-AG Gemüse naturnah anzubauen.

Klimaschutz an Schulen in allen Jahrgangsstufen

Die Vermittlung eines derart zukunftsrelevanten Themas sollte aber nicht vom guten Willen einzelner Lehrkräfte abhängen. Es darf auch nicht bei einem einmaligen Ausflug oder wenigen Stunden theoretischer Abhandlung im Fach Geographie bleiben. Umweltbildung und praktischer Ressourcen- und Klimaschutz an Schulen muss verpflichtend in den Lehrplan aufgenommen werden. Und zwar in jeder Jahrgangsstufe und Schulform. Nur Bildung kann Schülerinnen und Schüler dabei helfen bewusste und abgewogene Entscheidungen zu treffen – und vielleicht auch von den Eltern vorgelebte Verhaltensmuster zu hinterfragen.

Das Thema Klimawandel ist komplex, umfangreich und umfasst sowohl natur- als auch sozialwissenschaftliche Aspekte. Deswegen ist ein fächerübergreifender Ansatz wichtig und es ist wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler emotional angesprochen werden.

Vom Besuch auf dem Bio-Bauernhof bis hin zum Klimasimulationsspiel

Klimaschutz an Schulen kann schon in der Grundschule beginnen. Grundschulkinder können einen Tag lang im Wald oder am Fluss Müll aufsammeln. Das schafft Bewusstsein für die Probleme des Littering – den eigenen Müll einfach achtlos in der Natur entsorgen. Erhellend ist auch der Besuch in der Kläranlage, bei dem erklärt wird, wie aufwendig es ist Wasser aufzubereiten und dass es bislang keine Möglichkeit gibt, Mikroplastik zu entfernen. Im Informatikunterricht lassen sich Computerspiele als sinnvolle Lernmedien einsetzen, die zeigen, wie der Klimawandel im Großen und Kleinen funktioniert und wie wir mit unseren Handlungen Ökosysteme beeinflussen. Abgerundet wird der praktische Klimaschutz an Schulen mit einem Ausflug in ein reales Naturschutzgebiet. Der Besuch eines Biohofs ist die ideale Gelegenheit zu zeigen, weshalb Biolebensmittel mehr kosten als Waren im konventionellen Supermarkt – und welche Auswirkungen zum Beispiel die Überdüngung und der massiven Einsatz von chemischen Schädlingsbekämpfungsmittel durch die Agrarindustrie auf Böden haben kann. Älteren Kindern kann durchaus der Besuch in einer Schlachterei zugemutet werden, um die verheerenden Auswirkungen des übermäßigen Fleischkonsums auch auf das Klima zu thematisieren.

Positivbeispiele sind besonders wichtig

Für mich ist aber wichtig: Kinder und Jugendliche dürfen nicht entmutigt werden. Genauso wie es nötig ist ihnen die komplexen Probleme aufzuzeigen, gilt es ihnen Möglichkeiten zu präsentieren, wie sie aktiv an einer besseren Zukunft mitarbeiten können.