calendar 24.05. 2016

Lernen und Lehren unter den Sternen Kolumbiens

Die Welt umrunden, ohne sie zu zerstören – Umweltbewusstsein und Reisen vertragen sich oft nicht. Dass es funktionieren kann, zeigen die jungen Wissenschaftlerinnen Kira und Marja. Mit ihrem Herzensprojekt „Cielo y Tierra“ haben sie die Natur Kolumbiens hautnah kennengelernt und ihr Wissen um die Umwelt weitergegeben. Und das alles mit einer einzigartigen und nachhaltigen Art zu reisen: auf 1.000 Kilometern zu Pferd und in der Luft. Ein Projekt, von dem auch Unternehmen etwas lernen können.

„Klar geht das auch anders“, sagt Kira und zuckt mit den Schultern. „Aber wäre es wirklich einfacher und wirkungsvoller?“ Sie sitzt mit ihrer Freundin Marja auf einer Bank in San José de Suaita, einer kleinen Gemeinde mitten in Kolumbien. Die beiden lassen sich per GPS verfolgen – auf der Karte sieht man: Um sie herum gibt es nichts als grün. Solch abgelegene Orte erreichen nur die wenigsten Touristen. Aber die beiden sind mit ganz besonderen Verkehrsmitteln unterwegs: auf Pferden und mit Paraglidern.

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Ideal verbunden im Projekt „Cielo y Tierra“: Reiselust und Wissenschaft. Marja und Kira sind mit dem Herzen dabei.

Auf dem Pferd und in der Luft

Seit Anfang Februar touren sie mit ihrem Projekt „Cielo y Tierra“ durch das südamerikanische Land – auf einer großen Mission. Sie wollen naturnah reisen, Kolumbien erleben, ihr Wissen mit anderen teilen und Menschen motivieren, mehr über den Planeten zu lernen. Nun sind sie hier: zwei junge Wissenschaftlerinnen unterwegs mit zwei Pferden und einem Maultier, beladen mit Paraglidern und Teleskopen – wie kommt man auf so eine Idee? Nach und nach, meint Marja. Beide standen kurz vor dem Ende ihres Studiums. Marja hat einen Doktor in Astrophysik, Kira ihren Master in Ökologie – sie kennen sich aus mit Himmel und Erde, Cielo y Tierra. „Nach unserem Studium wollten wir zusammen eine Reise zu Pferd machen, später kamen die Workshops in Astronomie und Ökologie hinzu. Von da sind wir zum Motiv ‚Himmel und Erde‘ gekommen und haben den Gleitschirm als weiteres Element eingebunden“, erzählt Marja. „Es war uns vor allem wichtig, uns auf ökologische Art und Weise fortzubewegen und mehr Bewusstsein für unseren Planeten zu schaffen.“

„Es war uns vor allem wichtig, uns auf ökologische Art und Weise fortzubewegen und mehr Bewusstsein für unseren Planeten zu schaffen.“

Auf ein Ziel hatten sich die zwei Forscherinnen, die sich schon seit 20 Jahren kennen, schnell geeinigt: Kolumbien. „Pferde sind in der kolumbianischen Kultur fest verankert“, erklärt Kira. „Das Land hat stabile Wetterbedingungen und viele Start- und Landeplätze zum Paragliden. Außerdem brechen viele Jugendliche in den ländlichen Regionen sehr früh die Schule ab.

 

 

Mit unseren Workshops wollen wir mehr über das Land und seine Menschen erfahren und sie zu einer Ausbildung motivieren.“ In ihren Kursen sprechen die beiden Wissenschaftlerinnen über die Umwelt: von Photosynthese bis zur Waldrodung – in einem Land, das zu großen Teilen mit Regenwald bedeckt ist, ein wichtiges Thema. „Wir haben viel darüber gesprochen, wie wichtig es ist, die Umwelt und somit unser Klima zu schützen.“ Das bestätigt auch ein Blick durchs Teleskop, sagt Marja. „Bisher haben wir keinen Planeten gefunden, der der Erde ähnelt. Sie ist einzigartig – eine zweite Chance haben wir nicht.“

Faszination Mond: Beim Blick durchs Teleskop eröffnen die Wissenschaftlerinnen vielen Menschen eine ganz neue Sicht auf die Welt.

1.000 Kilometer und noch mehr Erfahrungen

Aus einer ersten Spinnerei wurde schnell Ernst. Monatelange planten sie den Trip, legten eine Route fest, klapperten Sponsoren ab. Mittlerweile ist die zweimonatige Reise fast vorbei. In wenigen Tagen machen sie sich auf den Weg zum Flughafen, steigen in einen Flieger und landen wieder in ihrem Alltag in Europa. Aber dazwischen liegen 1.000 Kilometer und noch mehr neue Erfahrungen – positive wie negative.

 

Tagebuch
Abenteuer zum Nachlesen: In ihrem Blog können Freunde, Familie und andere Begeisterte nachlesen, was Marja und Kira alles auf dem Weg von Bucaramanga bis Cali erlebt haben. Mehr auf www.cieloytierra-project.com.

Eines der Pferde ist so krank geworden, dass es nicht mehr laufen konnte. An einigen Tagen war die Hitze für Mensch und Tier unerträglich. Ein Großteil der technischen Ausrüstung wurde geklaut. Jeder Tag war unvorhersehbar, mal gut, mal schlecht. Aber gezweifelt haben sie nie. „Wir sehen das Projekt eher als großes Abenteuer, eine Herausforderung und eine riesige Möglichkeit zu lernen.“ Damit wollen sie auch mit gängigen Stereotypen von Wissenschaftlern und Abenteurern brechen, sagt Marja. „Unser Ziel ist nicht, pedantisch Wissen zu vermitteln, sondern durch Austausch, Beobachtungen und Diskussionen selbst zu lernen und zum Lernen zu motivieren.“

 


Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit

Das Thema Nachhaltigkeit ist bei ista im Geschäftsmodell verankert, auch nachhaltiges Reisen wird großgeschrieben. Mithilfe von Reiserichtlinien und Carsharing-Angeboten wird der CO2-Ausstoß reduziert.

 


 

Neue Freunde, neue Sichtweisen

Selbst zu lernen – zum Beispiel über Gastfreundschaft. „Wir wurden so oft zum Essen, zum Übernachten, zum Wiederkommen eingeladen“, erzählt Kira. „Auch wenn die Leute kaum etwas hatten, wollten sie teilen.“ So übernachteten sie bei einer Familie, die selbst zu fünft im Wohnzimmer schlief. „Hier habt ihr eine neue Familie – das war oft der Abschiedsgruß.“

Ganz besonders groß war die Verbindung zu den Einheimischen auch bei den Mondbeobachtungen. „Jeder, egal ob jung oder alt, der zum ersten Mal den Mond durch ein Teleskop sieht, bekommt irgendwie eine neue Lebensanschauung“, sagt Marja. „Erst gestern sagte ein Einheimischer: Unglaublich, wie ihr meine Sichtweise auf die Welt verändert habt.“ Und wenn Kira und Marja das geschafft haben, hat sich die lange Reise gelohnt.

 

Auf ihrer Reise wurden Kira und Marja mit der Kamera begleitet. Das Ergebnis wird auf ihrer Homepage und bei Filmfestivals vorgestellt. Weitere Infos unter www.cieloytierra-project.com.

 



Bildcredits: Cielo y Tierra