calendar 30.11. 2017

Martin Rodeck (ZIA) über die Digitalisierungsstudie

Martin Rodeck, Geschäftsführer der OVG Real Estate in Deutschland und Innovationsbeauftragter des Zentralen Immobilienausschusses (ZIA), hat uns im Interview ein paar Fragen zur Digitalisierungsstudie beantwortet.

Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie digital ist die Immobilienwirtschaft heute?

Man kann da keine pauschale Aussage für die gesamte Immobilienbranche treffen. Einige Sektoren wie der Vermittlungsbereich sind bereits weiter fortgeschritten, andere Disziplinen der Immobilienwirtschaft, wie das Property und Facility Management, haben dagegen bislang eher weniger Veränderungen durch den digitalen Wandel erlebt. Generell lässt sich aber feststellen, dass wir einen enormen Nachholbedarf im Vergleich zu anderen Wirtschaftssektoren haben – und zwar in allen Unternehmensgrößen und Disziplinen unserer Branche.

Wie unterscheiden sich die einzelnen Segmente? Sind große Wohnungsunternehmen bei der digitalen Transformation weiter als kleine und mittlere Eigentümer?

In der Immobilienbranche finden sich positive Beispiele in allen Größenordnungen. Wichtig ist, wie die Digitalisierungsstrategie aussieht. Generell lässt sich sagen, dass viele Unternehmen verstanden haben, dass Digitalisierung Chefsache ist, sowohl in den großen Unternehmen wie auch in den kleinen. Zunächst sollte man sich dafür die Frage stellen, wohin man möchte. Welche Prozesse gilt es zu vereinfachen? Wie kann ich mein eigenes Geschäftsmodell ausbauen? Welche neuen Wege kann ich beschreiten? Und natürlich ganz allgemein die Frage: Wie kann ich meinen Alltag mit Hilfe digitaler Möglichkeiten vereinfachen? Dafür sind aber immer auch ein Budget und eine Fehlertoleranz erforderlich. In größeren Unternehmen lässt sich das natürlich leichter skalieren. Kleinere Unternehmen sollten deshalb auch auf Kooperationen, etwa mit Startups, setzen – und als „Piloten“ einfach mal Dinge ausprobieren.

Wie groß ist der Bedarf der Mieter an digitalen Produkten und Services?

Das ist die Gretchenfrage der Digitalisierung. Heutzutage ist sehr vieles möglich, doch nicht alles ist nötig. Im Alltag sind wir jedoch schon häufig weitaus digitaler als im Beruf. Während wir es mitunter bereits gewohnt sind, unser Zuhause vom Smartphone aus zu steuern und Einkäufe direkt mit dem Tablet erledigen, tun wir uns im Beruf etwas schwerer. Dort gehen wir häufig Prozessen mit der gleichen Art und Weise wie vor zehn bis zwanzig Jahren nach. Der Mieter ist also mitunter bereits digitaler als der Vermieter – die Branche muss nachziehen.

Smart Home Geräte Umsatz in Millionen
Umsatz an Smart Home-Geräten 2017 in Mio.

Werden digitale Produkte und Services neben der Vermietung zum erweiterten Geschäftsmodell für die Immobilieneigentümer?

Natürlich, das sollten sie. Sonst verlieren Vermieter einen wichtigen Anteil der Wertschöpfung ihres Immobilieninvestments. Wir müssen immer im Hinterkopf behalten, dass sich andere ein Stück vom Kuchen holen könnten, wenn wir es nicht machen. In vielen Bereichen konnten wir bereits sehen, wie sich Plattformen und Anbieter zwischen das Mieter-Eigentümer-Verhältnis gedrängt haben. Das wirkt sich zwar zunächst nicht auf die klassischen Einnahmen aus der Vermietung und Verpachtung aus, doch werden dort wichtige Renditemöglichkeiten liegengelassen, mit denen man sein eigenes Geschäftsmodell optimieren könnte.

Mit der Digitalisierung nachziehen
Vermieter sollten in Zeiten der Digitalisierung nachziehen und ihr Geschäftsmodell erweitern, damit sie nicht von der Konkurrenz abgehängt werden.

Was können Dienstleister tun, um die Immobilienbranche bei der digitalen Transformation zu unterstützen?

Dienstleister sollten ihre Rolle als Innovationstreiber wahrnehmen. In unserer Digitalisierungsstudie haben zahlreiche Befragte, etwa die Technischen Gebäudedienstleister, sowie Property und Facility Manager als klare Innovatoren identifiziert. Investoren und Projektentwickler wurden, trotz des hohen Veränderungspotenzials, aber eher als Beobachter der digitalen Transformation definiert. Für Dienstleister bedeutet das also, den digitalen Wandel aktiv voranzutreiben. Neben der technologischen Entwicklung und Weiterentwicklung bedeutet das aber auch, zahlreiche Überzeugungsarbeit zu leisten. Experimentierfreude und Fehlertoleranz waren selten so wichtig wie heute – das müssen alle Marktteilnehmer verstehen und verinnerlichen.

Hier finden Sie die Digitalisierungsstudie 2017 von ZIA und EY Real Estate.