calendar 07.12. 2015

Mit Dario Cohen durch die schöne smarte Welt

Knapp über ein Jahr ist Dario Cohen nun bei ista an Bord. Als Senior Vice President hat er einen neugeschaffenen internationalen Bereich mit aufgebaut, der Marketing, Business Development, Produkt Management und Vertriebscontrolling vereint. Jetzt stand er INSIDEista zu Fragen über die derzeitige Marktsituation, zu aktuellen Trends und Entwicklungen Rede und Antwort.

Die ganze Welt spricht von Digitalisierung. Kurz und knapp: Was heißt „digital“ für Sie?
Die Digitalisierung eröffnet uns fantastische Möglichkeiten. Durch neue Technologien und digitale Daten sind wir in der Lage, unser Umfeld, unsere Arbeitsprozesse, ja, unser Dasein generell, besser zu verstehen. Die Erkenntnisse, die wir dank dieser Daten gewinnen, führen auch zu neuen Geschäftsmodellen, die für Kunden wiederum einen enormen Mehrwert generieren können. Schon jetzt durchdringt das Internet der Dinge unseren Alltag: Vernetzte Geräte erschaffen eine intelligente Umgebung und machen unser Leben, unsere Autos und bald unsere Wohnungen schlussendlich „smart“.

Spannend wird es dann, wenn man automatisch merkt, dass eine Heizung in den nächsten zwei Wochen mit einer 90-prozentigen Wahrscheinlichkeit womöglich kaputt geht.

Smart Home ist ein ähnliches Schlagwort. Was macht ein Gebäude smart?
Smart ist ein Gebäude dann, wenn verschiedene Daten aus dem Gebäude und darüber, wie es genutzt wird, miteinander kombiniert werden und daraus intelligente Schlussfolgerung beziehungsweise Kontrollmechanismen resultieren. Man sammelt Informationen darüber, ob die Fenster geschlossen sind, ob die Heizung an ist und wie es sich mit der Luftfeuchtigkeit im Raum verhält. Je nachdem, ob sich jemand im Raum befindet oder nicht, wird anhand der Auswertung dieser Daten zum Beispiel automatisch die Heizung heruntergedreht oder der Kunde angeregt, das Fenster zu schließen. Spannend wird es dann, wenn man automatisch merkt, dass eine Heizung in den nächsten zwei Wochen mit einer 90-prozentigen Wahrscheinlichkeit womöglich kaputt geht. Diese Information ist für einen Verwalter oder Eigentümer im wahrsten Sinne des Wortes goldwert.

Gilt das nur für Deutschland? Oder auch international?
Das gilt generell für Gebäude beziehungsweise für Häuser, aber natürlich hat dieser Trend in verschiedenen Märkten unterschiedliche Ausprägungen. Es gibt Märkte, die sind noch in der Vorbereitungsphase, dazu gehört zum Beispiel Deutschland. Andere Märkte sind da etwas schneller und innovativer unterwegs – zum Beispiel Frankreich. Hier hat sich im Bereich Smart Home schon einiges getan, obwohl auch hier noch vieles in den Kinderschuhen steckt. Die Franzosen gehen das Thema etwas verspielter an: Hier herrscht eine Do-it-yourself-Kultur – die Franzosen probieren aus und machen in ihren Häusern viel selbst – da findet das Thema eher Anhänger als in Deutschland, wo wir einen hohen Anteil an Mietwohnungen haben. Studien zeigen aber, dass Smart Home auch in Mietwohnungen Anklang findet. Allerdings ist der Fokus hier ein anderer. Während es in Eigenheimen viel um Sicherheit und Komfort geht, steht bei Mietwohnungen zum Beispiel die Energieeffizienz im Vordergrund. Grundsätzlich sollten wir uns fragen: Wieso sollte man eigentlich in einer Mietwohnung schlechter wohnen als in einer Eigentumswohnung?

Und was ist der Beitrag von ista? Wie macht ista Gebäude intelligent?
ista betreut etwa zwölf Millionen Haushalte weltweit. Und schon heute bieten wir intelligente Systeme, die Energie- und andere Daten im Gebäude sammeln – also Wasser, Wärme, Feuchtigkeit. Auch intelligente Rauchwarnmelder, die fernüberwacht werden, installieren wir bereits jetzt. Das sind schon Ausprägungen von Smart Home.

Das müssen wir nun mit unseren Partnern erweitern. Wir wollen die Daten einmal im Bereich Metering kombinieren und im zweiten Schritt dann mit anderen Systemen verbinden, die auf unsere Daten reagieren können. Wie zum Beispiel die automatisierte Heizungsregelung. Man redet da von Interoperabilität, also der Fähigkeit von unterschiedlichen Systemen, Daten fehlerfrei auszutauschen, Informationen und Befehle zu verstehen, korrekt zu interpretieren und umzusetzen. Daraus entstehen dann Bündelangebote. Das sind verschiedene Leistungspakete, die kombiniert noch einen größeren Mehrwert liefern – sozusagen eins plus eins ergibt drei, oder sogar noch mehr!

Grundsätzlich sollten wir uns fragen: Wieso sollte man eigentlich in einer Mietwohnung schlechter wohnen als in einer Eigentumswohnung?

Auch die Aufbewahrung beziehungsweise Präsentation der historischen Gebäudedaten spielt eine große Rolle, insbesondere zum Beispiel für den Verkauf von Gebäuden. Eine innovative und sehr realistische Idee ist die Identity Card, die die Immobilienwirtschaft professionalisieren wird. Verkauft man ein Gebäude, so soll die Identity Card Aufschluss über alle dazugehörigen historischen Gebäudedaten liefern. Sie unterstützt auf diese Weise den Verkaufsprozess und untermauert damit die Qualität der Investition.

Alles wird smart, alles im Gebäude wird miteinander vernetzt. Und was ist mit dem Datenschutz?
Datenschutz  ist ein sehr wichtiges Thema – der muss in jedem Fall gewährleistet sein. Schon heute hat das für uns oberste Priorität und das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Natürlich wachsen die Systeme mit der Zeit, die Angreifer werden gewiefter und das Risiko wird mit Sicherheit nicht geringer. Aber wir wachsen mit. Wir werden alles tun, um den Datenschutz zu garantieren. Aber auch in Zukunft wird der Kunde selbst entscheiden und definieren können, wohin er seine Daten schickt und wofür er sie zur Verfügung stellt. Je offener er in dieser Hinsicht ist, desto größer kann der Mehrwert der Dienstleistung für ihn sein. Das ist heute so und wird auch weiterhin so sein.

Was bedeuten die Entwicklungen konkret für Ihre Arbeit und Ihren Bereich?
Für mich als Bereichsleiter von Corporate Marketing & Business Development bedeutet das eine intensive Auseinandersetzung mit den Themen Smart Home, Digitalisierung und Smart Building. Und genau die bereits angesprochenen Partnerschaften und Kooperationen fallen in unseren Aufgabenbereich. Da konnten wir gerade in den letzten Monaten bereits erfolgreiche Abschlüsse und Vereinbarungen erzielen. Erwähnenswert ist da unsere Ausweitung der langjährigen Kooperation mit Aareon auf Frankreich, Norwegen und Schweden oder unsere Kooperation mit Riedel. Mit dem Heizungssystem von Riedel werden wir langfristig genau so ein Bündelangebot aus verschiedenen Smart Home Cases anbieten können. Mithilfe dieses Systems wird neben der Heizung auch das Licht gesteuert werden können und mittels eines Displays können Verwalter und Mieter direkt kommunizieren. Ich denke, das ist eines der ersten Angebote dieser Art für den Mietmarkt, in dem ista ja zu Hause ist. Solche Angebote mit unterschiedlichen Firmen und Partnern aufzustellen, das ist jetzt unsere Hauptaufgabe.

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