Mit Transparenz zu mehr Effizienz

21.11.2016

Soll die Energiewende gelingen, muss Deutschland noch deutlich energieeffizienter werden. Aus diesem Grund hat die Bundesregierung verschiedene Maßnahmen zur Reduzierung des Primärenergieverbrauchs auf den Weg gebracht. Weitgehend unbeachtet bleibt dabei allerdings, was die Verbraucher selbst beitragen können. Das internationale Beratungsunternehmen Ecofys hat die Einspareffekte einer unterjährigen Verbrauchsinformation für Mieter untersucht. Das Ergebnis: Die Maßnahme besitzt ein beachtliches Potenzial und ist so gut wie immer wirtschaftlich.

Wann habe ich wie viel Wärme verbraucht? Wer das weiß, kann sein Nutzerverhalten anpassen und sparsamer mit Energie umgehen. Eine Antwort auf diese Frage bietet die unterjährige Verbrauchsinformation in Mehrfamilienhäusern. Diese funktioniert nach folgendem Prinzip: Zusätzlich zur jährlichen Heizkostenabrechnung erhalten Mieter hier monatlich aktualisierte Daten zum Wärmeverbrauch und den damit verbundenen Kosten. Nach den Ergebnissen der Ecofys-Studie ist die Maßnahme in ca. 9 von 10 Fällen wirtschaftlich (bei einer angenommenen Verbrauchsreduzierung von 5 Prozent). Dementsprechend lassen sich so bis zum Jahr 2020 77 PJ* Endenergie einsparen.

Durch die Abdeckung von Funktechnologie mit etwa 50 Prozent in deutschen Mehrfamilienhäusern ist die Maßnahme im Rahmen des Submeterings bereits heute umsetzbar. Ergänzend plant die Bundesregierung, den Wärmeverbrauch mithilfe des sogenannten Smart Meterings zu erfassen. Dann wäre eine unterjährige Verbrauchsinformation auf diesem Wege ebenfalls möglich. Verpflichtend wird die Umrüstung auf diese intelligente Messtechnik allerdings erst ab dem Jahr 2020 und selbst dann nur für Haushalte mit einem jährlichen Stromverbrauch zwischen 6.000 und 10.000 kWh. Freiwillig umrüsten kann schon heute natürlich jeder.

Was ist Submetering?

Unter „Submetering“ versteht man die verbrauchsabhängige Messung und Abrechnung von Wärmeverbräuchen in Mehrfamilienhäusern. Dadurch zahlt jeder Haushalt nur für die Energie, die er auch tatsächlich verbraucht hat.

Was ist Smart Metering?

Davon zu unterscheiden ist das „Smart Metering“. Hiermit sind „intelligente“ Zähler gemeint, die vor allem dazu eingesetzt werden, Stromverbräuche digital und in Echtzeit zu erfassen.

Mieter profitieren schon bei geringen Einsparungen

Das Beratungsunternehmen Ecofys interessierte zunächst, ob sich die unterjährige Verbrauchsinformation für den Verbraucher finanziell lohnt oder ob sie die Haushaltskasse zusätzlich belastet. Dafür wurden Referenzgebäude aus sieben Baualtersklassen (von Altbau vor 1978 bis Neubau) mit jeweils vier Energieträgern (Erdgas, Öl, Fernwärme und Strom) im Rahmen einer Wirtschaftlichkeitsberechnung verglichen. Die Basis für den jeweiligen Energieverbrauch sowie die damit verbundenen Kosten lieferten Messdaten von ista.

„Bereits mit einer Einsparung von 5 Prozent lohnt sich die un­ter­jährige Ver­brauchs­information für eine breite Mehrheit.“

Dabei zeigte sich: Bereits mit einer Einsparung von 5 Prozent lohnt sich die unterjährige Verbrauchsinformation für eine breite Mehrheit. Bei angenommenen Kosten von 30 Euro pro Jahr und Wohnung ist die Maßnahme hier für 87 Prozent der Mieter finanziell vorteilhaft oder zumindest kostenneutral. Bis 2020 würde das Endenergieeinsparungen von 77 PJ* bedeuten, die für den Verbraucher wirtschaftlich realisierbar sind. Sinken die Kosten sogar auf 20 Euro pro Jahr, profitieren nahezu alle Bewohner von der Verbrauchsinformation und es können 85 PJ* an Endenergie ohne Mehrkosten eingespart werden.

Wirtschaftlichkeit der unterjährigen Verbrauchsinformation bei einer angenommenen Einsparung von 5%

Deutlich stärker wirken sich die Kosten erwartungsgemäß aus, wenn durch die Maßnahme nur 3 Prozent Energie einspart werden. Zahlen die Haushalte 30 Euro pro Jahr, ergibt sich hier nur selten ein finanzieller Vorteil. Die anfallenden Mehrkosten für den Verbraucher sind mit jährlich bis zu 10 Euro allerdings überschaubar. Werden nur 20 Euro pro Jahr und Wohneinheit angesetzt, profitiert wieder der weit überwiegende Teil der Bewohner (82 Prozent) von der Maßnahme.

Schnelle Umsetzung mit Submetering

Doch wie können die immensen Einsparpotenziale der unterjährigen Verbrauchsinformation schnellstmöglich realisiert werden? Welcher Weg – Submetering oder Smart Metering – ist der effektivere? Um diese Fragen zu beantworten, berechnete Ecofys die Endenergieeinsparungen für Raumwärme und Warmwasser durch Submetering sowie Smart Metering bis 2030. Grundannahme war hier die Verbrauchsreduzierung von 5 Prozent. Gleichzeitig wurde die Marktdurchdringung der jeweiligen Technologien in den nächsten Jahren berücksichtigt.

Das Submetering ermöglicht hier sofortige Energieeinsparungen, weil die notwendige Funktechnologie aktuell bereits in etwa 50 Prozent der Mehrfamilienhäuser in Deutschland vorhanden ist. Schon im Jahr 2017 könnte der Endenergieverbrauch in Deutschland so um 20 PJ* sinken. Außerdem setzt sich die Technologie weiter am Markt durch. Daher summieren sich die möglichen Einsparungen durch Submetering allein bis zum Jahr 2020 auf 89 PJ*.

„Durch eine gesteigerte Ver­brauchs­trans­parenz können Mieter aktiv Endenergie einsparen, dadurch zum Gelingen der Energiewende beitragen und Eigentümer die Attraktivität ihrer Immobilien steigern.“

Demgegenüber startet der Rollout für das Smart Metering erst im Jahr 2020. Die unterjährige Verbrauchsinformation kann also auch erst ab dann auf beiden Wegen realisiert werden, weshalb Ecofys den Zeithorizont der Untersuchung hier auf 2030 gesetzt hat. In 2030 werden für Einfamilienhäuser, die ja nur über das Smart Metering erreicht werden, Endenergieeinsparungen von 3 PJ* prognostiziert. Hinzu kämen 12 PJ* in Mehrfamilienhäusern, die entweder durch Submetering oder Smart Metering gehoben werden könnten. Das größte Einsparpotenzial hat das Submetering mit 19 PJ*. Damit würden im Jahr 2030 insgesamt 34 PJ* an Endenergie eingespart werden.

Das Potenzial der Verbrauchstransparenz

Durch eine gesteigerte Verbrauchstransparenz können Mieter aktiv Endenergie einsparen, dadurch zum Gelingen der Energiewende beitragen und Eigentümer die Attraktivität ihrer Immobilien steigern. Dabei rentiert sich die unterjährige Verbrauchsinformation schon bei geringen Einsparungen von nur 5 Prozent nahezu immer für die Mieter. Zudem könnte mit der Umsetzung im Rahmen des Submeterings sofort begonnen werden. Auch nach der Einführung des Smart Meterings im Jahr 2020 würde hierauf immer noch ein Großteil der Endenergieeinsparungen entfallen. Um das beachtliche Potenzial der unterjährigen Verbrauchsinformation schnell und umfassend zu nutzen, kann Submetering einen beachtlichen Beitrag leisten.

Im Übrigen weisen andere Untersuchungen wie etwa das derzeit laufende Modellvorhaben „Bewusst heizen, Kosten sparen“ der Deutschen Energie-Agentur weitaus größere Einsparpotenziale durch die unterjährige Verbrauchsinformation aus. Hier konnten die informierten Teilnehmer ihren Wärmeverbrauch um durchschnittlich etwa 9 Prozent reduzieren. In der Praxis könnte sich diese Maßnahme daher noch wirkungsvoller erweisen.

*3,6 Petajule entsprechen 1.000.000 MWh



Bildcredit: ista, grasundsterne