calendar 06.12. 2017

Rebound-Effekt bei Effizienzmaßnahmen

Manchmal steigt nach der Sanierung eines Hauses der Energieverbrauch an. Grund ist die menschliche Psychologie. Doch es gibt Möglichkeiten, solche Fallstricke bei Energieeffizienzmaßnahmen zu vermeiden, damit der Rebound-Effekt ausbleibt.

Verbrauchsanstieg statt Effizienzsteigerung

Von einer energetischen Sanierung erwarten sich Eigentümer eine konkrete Einsparung bei Energie- und Heizkosten sowie eine Steigerung der Energieeffizienz. Doch manchmal macht sich die Baumaßnahme kaum im Portemonnaie bemerkbar oder der Energieverbrauch steigt gar an. Wie kann das sein? Fachleute bezeichnen das Phänomen als Rebound- oder Bumerang-Effekt.
Der Effekt ist psychologischer Natur und funktioniert so: Nach einer aufwendigen und oft teuren Sanierung denken Hausbewohner, dass sie nun bereits genug getan haben und nicht mehr so sehr auf das Energiesparen und den Ressourcenverbrauch achten müssen. Das heißt, es wird schon mal eher die Heizung aufgedreht anstatt sich einfach einen Pullover anzuziehen. Man gönnt sich einfach ein paar Grad mehr im Wohnzimmer als noch im unsanierten Zustand. Oder es wird eine Bodenheizung auch in solche Räume eingebaut, die eher selten benutzt werden, aber man lässt sie dennoch laufen, weil sie halt nun mal da ist. Effizienzgewinne bleiben bei solch einem Verhalten eher aus und das schlägt sich dann natürlich schnell auf der Heizkostenrechnung nieder.
Eine andere Variante des Rebound-Effekts erklärt sich durch mangelndes Vertrauen in die Technik. Passivhäuser etwa sind so konstruiert, dass feuchte, CO2-haltige Luft über eine eingebaute Lüftungsanlage abtransportiert wird. Lüften ist kaum noch nötig. Oft kommt es jedoch vor, dass Bewohner dennoch lange die Fenster offen stehen lassen, weil sie das Gefühl haben, sie müssten auf diese Weise für frische Luft sorgen.

Durch optimales Verhalten Energiesparen

Der Wärmemonitor, der vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) auf Basis von Daten des Energiedienstleisters ista Deutschland GmbH herausgegeben wurde, zeigt deutlich, wie wichtig das Nutzerverhalten beim Energiesparen ist. Obwohl in der Vergangenheit in Deutschland relativ viele Gebäude energetisch saniert wurden, haben die Privathaushalte im Gegensatz zum Vorjahr mehr Heizenergie verbraucht. Dass sie dennoch im Durchschnitt Kosten eingespart haben, lag also nicht an einem energieeffizienten Verbrauchsverhalten, sondern an den zurzeit niedrigen Kosten für Gas und Öl.
Umso mehr gilt: Je größer das Energiebewusstsein der Bewohner ist, desto mehr können sie selbst zur Energie- und CO2-Einsparung beitragen. Im Durchschnitt benötigt ein Haushalt 85 Prozent seines Energieverbrauchs für Wärme. Bereits kleine Änderungen im Nutzerverhalten können hier einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Ganz einfache Maßnahmen sind etwa Stoßlüften statt ständig gekippter Fenster, das Absenken der Heiztemperatur nachts und regelmäßiges Entlüften der Heizkörper oder Abdichten von zugigen Fenstern.

Heizverbrauch messen
Durch simple Änderungen im Heizverhalten wie Stoßlüften (1), Absenken der Heiztemperatur bei Nacht (2), Entlüften der Heizkörper (3) oder Abdichten der Fenster (4) lassen sich die Heizkosten bereits minimieren.

Energieverbrauch aufzeichnen

Auch in einem energieeffizienten Gebäude ist also bewusstes Wohnverhalten wichtig, um optimale Ergebnisse zu erhalten. Eine Möglichkeit, um einen ungewollten Verbrauchsanstieg zu verhindern, ist, den Energieverbrauch mit Hilfe von Messgeräten genau aufzuzeichnen, um sich etwaigen Verhaltensänderungen bewusst zu werden. Dafür gibt es inzwischen zahlreiche Apps fürs Handy wie etwa den Energieverbrauchs-Analysator, aber natürlich kann man seinen Verbrauch auch einfach und kostenlos in einer Excel-Datei aufschreiben und analysieren. Am Ende des Monats erhält man so ein gutes Gespür dafür, wie viel Energie verbraucht wurde und kann sich gegebenenfalls auf Ursachensuche begeben.

Auf Ökobilanz von Bauteilen achten

Smart Home Apps Heizverhalten steuern
Smart-Home-Apps ermöglichen eine einfache Kontrolle des Heizverhaltens. Mit einem Klick können Sie auch von unterwegs Ihre Heizungen herunterdrehen.

Ein weiterer Fallstrick bei Energieeffizienzmaßnahmen ist die isolierte Betrachtung der Betriebsphase von Gebäuden. Die Energieeinsparverordnung (EnEV) regelt zwar den Wärmeschutz und die energiesparende Anlagentechnik bei Gebäuden, doch für einen effektiven Klimaschutz langt das nicht aus, meinen Experten. Weil der Blick zu eng gefasst ist. Bei einem typischen Neubau entfällt etwa ein Drittel der Emissionen auf Heizung und Warmwasser und ein weiteres Drittel auf den Strombedarf durch elektrische Geräte und Beleuchtung. Die restlichen Emissionen werden durch Konstruktion und Entsorgung von Bauteilen verursacht. Der Bau- und Abrissphase wird aber bislang kaum Beachtung geschenkt.
„Ökologisch bauen“ bedeutet, neben einem möglichst geringen Energiebedarf des Gebäudes nachhaltige Baumaterialien zu verwenden, die ressourcenschonend gewonnen, eingesetzt und entsorgt werden können.

Beispiel Styropor: das preisgünstige Material wird gerne zur Wärmedämmung verwendet. Das scheint auf den ersten Blick gut für den Bauherrn, weil es die Heizkosten senkt. Aber: Die Herstellung von Styropor ist mit einem hohen Energieverbrauch verbunden. Weil die Platten oft ein Flammschutzmittel enthalten, müssen sie zudem als Sondermüll entsorgt werden. Das ist teuer und alles andere als umweltfreundlich. Ökologischere Alternativen, die nicht weniger warm halten, wären zum Beispiel Dämmmaterialien aus Cellulose, Hanf, Schafwolle, Kork oder recyceltem Zeitungspapier.
Bauherren haben es in der Hand, ganz wesentlich auf den Energie-Fußabdruck ihres Gebäudes einzuwirken. Wer wissen will, wie ein Haus ganzheitlich zu Gunsten des Geldbeutels und der Umwelt optimiert wird, sollte von Architekten und Planern eine Ökobilanz oder Lebenszyklusanalyse von Neubau- und Sanierungsmaßnahmen einfordern.