Schulfach Klimaschutz? Ja! Aber auch, warum er manchmal nicht klappt

04.10.2018

Den Energiesparmodus gibt es nicht nur fürs Handy, sondern auch im analogen Leben. Ein praktisches Schulfach, in dem man lernt ihn einzuschalten wäre super! Außerhalb des Schulgartens und der Schülerwerkstatt gibt es allerdings Widersprüche und Hindernisse, die die Schüler nur dann verstehen, wenn darüber auch unterrichtet wird.

Ein gutes Bild für diese Widersprüche war der Dreck-Weg-Tag in meiner Stadt. Total motivierte Kinder sammelten säckeweise den Müll am Flussufer ein, den die älteren aus der Abitursklasse beim Chillen fallengelassen haben. Auch die Aktion „Köpfchen statt Kohle“ hat mir das nochmal gezeigt: In Berlin bildeten mehrere Schulen ihre Schüler quasi zu „jungen Energiemanagern“ aus. Da ging es um nachhaltigen Umweltschutz. Vor allem ums Messen und Vergleichen. Alles mit gesponsorten Messgeräten – ein Abenteuer, besonders für die Jungs. Die Schüler ermittelten die Kohlendioxid-Konzentration in der Raumluft, den Energieverbrauch der Flurbeleuchtung und bauten sogar eine kleine Bastel-Solaranlage für den Betrieb der Pausenhof-Disko. Motiviert klingelten die Schüler dann auch beim Hausmeister und ließen sich den Heizungskeller zeigen.

Dort wartet die Überraschung – ein Heizungsungetüm aus alten Zeiten. Streng fragten die Schüler danach, warum das Ding so ineffizient arbeitet? Schuld ist natürlich nicht der Hausmeister. Er kann nichts dafür, dass die Schule mit der alten Heizanlage leben muss, es fehlt einfach das Geld. Das zeigt: Nicht nur nachhaltiger Umweltschutz muss in den Lehrplan, wie es Frau Becker vorschlägt, sondern auch, warum er manchmal ausgebremst wird.

Nachhaltiger Umweltschutz – Funktioniert Ökologie ohne Ökonomie?

Auch diese Frage muss daher zum regulären Unterricht gehören: Denn wir haben nicht nur ein ökologisches System, sondern auch ein ökonomisches. Wir nennen es Kapitalismus. Und ein politisches System. Bei uns die Demokratie. Da dürfen viele mitreden, manchmal auch alle zugleich und alle durcheinander.

Die Schüler sollten für nachhaltigen Umweltschutz verstehen lernen, wie es kommt, dass Fleisch so billig beim Discounter angeboten wird. Und warum selbst arme Leute nicht darüber nachdenken, dass ein Gemüseauflauf billiger, gesünder und sogar klimafreundlicher ist. Oder warum einige nach dem Motto „Fleisch ist mein Gemüse“ leben. Dazu gehören einige, nicht nur die hiesigen Grillmeister.

Das Wissen vom großen Ganzen hilft gegen Frustration

Dieses große Ganze mit all seinen Widersprüchen ist die Conditio Humana – die Bedingung unseres Zusammenlebens. Die sollte auch im Lehrplan stehen: Also neben nachhaltigem Umweltschutz auch Globalisierung, Geld und Finanzen, Politik und Gesellschaft, Erste und Dritte Welt, Aufklärung und Tradition. Und zwar nicht nur mit Jahreszahlen und Formeln wie bei mir damals, sondern in praktischen Aufgaben, die auch außerhalb der Schule zu lösen sind: Zum Beispiel mit einer Interview-Kladde bewaffnet vor dem Supermarkt, als Feldversuch.

Schüler und Studenten sollten lernen, dieser Komplexität mit Flexibilität und Kreativität zu begegnen. Dazu gehört ein Unterrichtsplan, der Widerspruch, Eigensinn und das Entwickeln von Fähigkeiten erlaubt, die eben nicht nur aus Faktenwissen bestehen, sondern aus kreativem Handeln.

Ich fände es nämlich sehr beruhigend, wenn junge Menschen heranwachsen, die 100 Prozent denken können, und zwar auch um die Ecke. Und die deshalb als Erwachsene nicht gleich in die Luft gehen, wenn es erstmal nur 1 Prozent vorangeht.