calendar 07.11. 2016

Smart Home: Schöne neue Welt

Von der intelligenten Türe bis zur digital regelbaren Badewanne: Xing-Gründer Lars Hinrichs hat in Hamburg ein Mehrfamilienhaus voller Smart-Home-Technik gebaut. Auf der Messe dmexco hat er gezeigt, wie die Komponenten zusammenspielen. Und seine Vision erläutert: Ein Haus, das sich mit Software modernisieren lässt.

Das neue Wohnen beginnt an der Haustür. „Das ist die intelligenteste Tür der Welt“, erläutert Lars Hinrichs. „Sie lässt sich per Smartphone öffnen und macht sich jemand an ihr zu schaffen, registriert das ein Sensor und meldet es aufs Smartphone.“ Hinrichs hat die Tür gemeinsam mit einer Firma aus Augsburg entwickelt. Die Tür enthält Überwachungskamera, Mikrofon und Sensoren und kommuniziert über Bluetooth mit dem Smartphone des Bewohners.

Hinrichs hat sich als Gründer des Berufsnetzwerks Xing einen Namen gemacht. Seit 2013 ist er Mitglied im Aufsichtsrat der Deutschen Telekom. Nun betritt er auch als Bauherr Neuland. In Hamburg hat der 39-Jährige das technisch ambitionierteste Mehrfamilienhaus in Deutschland gebaut. Das Gebäude im Nobelviertel Rotherbaum nennt sich Apartimentum und umfasst 45 Wohnungen.

Im April 2016 wurde ein erster Prototyp der Spezialtüre im Apartimentum von Lars Hinrichs eingebaut. Der stolze Preis dieser SmartDoor beträgt 6500 Euro.

Hinrichs verleiht die Wohnungen für sechs Monate, ein Jahr oder auch vier Jahre. „Ich nenne das Modell „Living as a Service“, erläutert er. „Es zielt vor allem auf Geschäftsreisende, die für längere Zeit an einem Ort tätig sind.“ Dafür verlangt er 4.000 bis 11.500 Euro im Monat – inklusive Strom, Wasser und Internet. Für so viel Geld erhalten die Mieter auch viel Technik. Wie die Smart-Home-Komponenten darin funktionieren, hat Hinrichs auf der Bühne der Kölner Messe dmexco präsentiert.

Mobilgeräte regieren über das Apartimentum

Über Apps lässt sich steuern, wann morgens das Licht angeht und welche Musik beim Duschen laufen soll. Die Badewanne reagiert ebenfalls auf digitale Befehle und lässt sich von unterwegs aus füllen. Das ganze System entspricht seiner Philosophie: „Das Smartphone ist die Remote-Control zu unserem ganzen Leben und insbesondere zu dieser Wohnung“, erläutert Hinrichs. Sogar der Briefkasten schickt eine Benachrichtigung, wenn Post hineinfällt.

Elektronische Thermostate in der Heizung merken sich die Vorlieben und steuern die Temperatur nach den Gewohnheiten der Bewohner. Und sie senken sie automatisch, wenn niemand Zuhause ist.

„Das Smartphone ist die Remote-Control zu unserem ganzen Leben und insbesondere zu dieser Wohnung.“

Die smarten Gewohnheiten reichen bis in die Küche. Ist der Herd an, schalten sich – wenn nötig – auch Dunstabzugshaube und die Raumbelüftung automatisch ein. „Das alles erhöht den Komfort im Alltag“, schwärmt Hinrichs. „Ich nenne das Instant Comfort.“ Steuern lassen sich die Komponenten auch über iPads, von denen in jeder Wohnung mindestens drei Stück an der Wand hängen.

Verlässt man sein Appartement, assistiert die Tür erneut. Sie schickt dem Aufzug ein Signal, das entsprechende Stockwerk anzusteuern. Nach ein paar Schritten steht man gleich vor dem offenen Aufzug. „Die Tür ist einfach praktisch. Geht eine Beziehung zu Ende, muss man nicht lange den Schlüssel zurückholen, man löscht lediglich den Zugangs-Account“, sagt Hinrichs mit einem Augenzwinkern auf der dmexco.

Deine Wohnung weiß, wann du da bist

Wie es mit der Beziehung steht, könnte das Haus theoretisch auch erfassen. „Im Haus sind rund 580 Messpunkte installiert, an denen wir Daten in Real-Time abgreifen“, erörtert Hinrichs. „So weiß das System, wann die Bewohner da sind – und vor allem, wenn sie es nicht sind.“

„Die Tür ist einfach praktisch. Geht eine Beziehung zu Ende, muss man nicht lange den Schlüssel zurückholen, man löscht lediglich den Zugangs-Account.“

Diese Daten helfen Hinrichs vor allem, die Heizung zu optimieren: „Meldet das zentrale Heizsystem, dass weniger Bewohner anwesend sind, muss es nicht mehr 100 Prozent vorhalten und kann auf 60 oder 50 Prozent runterfahren.“ Auf technischer Seite sorgen ein Blockheizkraftwerk und Heizspeicher für eine optimierte Steuerung. „Ich denke, dass das Apartimentum mindestens 30 Prozent weniger Energie verbrauchen wird als ein normales Haus“, erwartet Hinrichs.

Da stellen sich für die potenziellen Bewohner natürlich Fragen bezüglich des Datenschutzes. „In jedem Vertrag steht, dass wir diese Daten erheben, um unsere Services bieten zu können“, erläutert Hinrichs. „Und die erhobene Daten lassen sich auch nicht auf einzelne Wohnungen zurückverfolgen.“

Auch die Küchengeräte kommunizieren miteinander. Ist der Herd an und wird die Luft zu dick, schalten sich Dunstabzugshaube und die Raumbelüftung automatisch ein.

Dass das Thema heikel ist, ist ihm natürlich bewusst. So ist in den Wohnzimmern nur ein Anschluss für eine Überwachungskamera vorhanden, eine solche aber nicht vorinstalliert. „Das bleibt Sache des Mieters“, so Hinrichs.

Mit Aussicht auf Wertzuwachs

Ob Hinrichs mit seinem Apartimentum Erfolg hat, wird sich zeigen. Einige Wohnungen sind bereits vermietet und Hinrichs eröffnet sich die Chance, mit dem Smart-Home-Konzept den Wert seiner Immobilie zu steigern. Laut einer Umfrage des Immobilienverband Deutschlands im Oktober 2015 sind 23 Prozent der Mieter und sogar 37 Prozent der Immobilien-Käufer an Smart Home-Technologien interessiert.

Vielleicht steigert dann jedes Software-Update den Wert einer Immobilie. Hinrichs wäre voll dabei: „Dieses Haus stellt zum ersten Mal eine so umfangreiche Infrastruktur bereit, dass es sich über Software weiterentwickeln kann“, sagt Hinrichs und prophezeit: „In fünf Jahren wird das Schlafzimmer Daten und Produkte vorhalten, um besser zu schlafen, und das Badezimmer wird ein Health-Center sein.“

 

Der Markt für Heim-Automation erwartet einen hohen Zuwachs

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