Weihnachten: Stress oder Fest der Freude

10.12.2018

Die zweite Kerze brennt bereits. Heiligabend rückt immer näher. Da bricht bei mir manchmal der Shoppingstress aus. Aber nicht in diesem Jahr. Denn statt Gegenständen verschenke ich Zeit.

Jeder Europäer besitzt im Schnitt 10.000 Gegenstände. Für eine Übersicht seines Inventars fehlt ihm aber oft die Zeit, denn es gibt immer was zu tun. Statt nun im Weihnachtsstress noch mehr zu kaufen, was hinterher im Regal oder im Keller verstaubt, sollte man lieber etwas von seiner Zeit verschenken. Denn Zeit, die Zuwendung und Hilfe ist oder in eine gute Idee investiert wurde, macht wirklich Freude. Und zwar allen Beteiligten.

Spekulatius Ende August

Jedes Jahr das Gleiche: Los geht es mit den Spekulatius im Supermarkt. Da hängen noch die Blätter an den Bäumen. Dann kommen Black Friday und – als Trittbrettfahrer – der Cyber Monday. Wer den Weihnachtsrummel bis dahin ignoriert hat, den erwischen zuletzt die verkaufsoffenen Sonntage mit den Glühweinbuden. Und spätestens dann bricht bei vielen der Weihnachtsstress aus.
Der Handel klebt links ein Herz und rechts einen Tannenzweig auf seine Plakate. Das soll reichen als Impuls, damit wir Schmuck, Akkuschrauber und 3D-Games kaufen. Und die Werbung ist ja verständlich: Der stationäre Handel macht knapp 30% seines jährlichen Umsatzes in der Weihnachtszeit – in Deutschland etwa 100 Millarden EUR.

Schnäppchen erst im Januar

Dennoch ist nach Weihnachten, auch für mich, meistens noch nicht Schluss mit dem Weihnachtsstress. Beim Shoppen war ja nicht immer klar, ob man wirklich eine Punktlandung macht mit seinem Geschenk – und nun wird fleißig umgetauscht. Die wahren Schnäppchen kommen freilich erst Mitte Januar in den Handel, aber das sagen sie einem vorher leider nicht.

Und egal, ob kurz vor Weihnachten oder danach, verstopfte Straßen und besetzte Parkhäuser senken die Stimmung oft noch weiter.

Ein Freizeitkonto für den Weihnachtsstress

Wem die uferlose Kommerzialisierung von Weihnachten auf die Nerven geht, der kann etwas anderes machen: Kollektiv in den Urlaub fahren zum Beispiel – wie meine Freunde und deren Kinder. Ich darf auch mit.

Wer sich aber nicht einfach aus dem Staub machen und dem Weihnachtsstress entfliehen kann, für den gibt es eine gute Alternative, die, je nach Ausprägung, geradezu weihnachtlich sein kann: Es gibt ja Arbeitszeit-Konten. Zu Weihnachten eröffnet man sich aber ein privates Freizeitkonto.

Viel wird nicht drauf sein auf dem Konto, schon klar. Zum Fest aber hebt man von diesem Konto etwas freie Zeit ab und schenkt sie seinen Liebsten oder Leuten, denen man einfach mal was Gutes tun will. Allein diese Geste wird schon einen Kniefall bei den Beschenkten auslösen, denn alle wissen ja: Zeit ist knapp!

Aber jetzt mal ein paar konkrete Ideen von mir:

  • Für die Mädelsgruppe spendiert man ein Ed Sheran-Konzert. Man organisiert alles. Wer die Tickets zahlt, wird so zur Nebensache.
  • Das Gleiche gilt für Andreas, dem man beim Umzug hilft.
  • Und für die kleine Maja, der man ein paar Mal aus ihrem Lieblingsbuch vorliest.

Nichts davon muss sofort passieren,- man bietet es erstmal nur an und verspricht sein Wort zu halten.

Das Schöne ist: Vielleicht wird aus der Idee, Ihrem Bruder ein Weinseminar zu spendieren nach einigen Gesprächen eine private Stadtführung durch Wien, weil er da noch nie war, Sie sich da aber gut auskennen.

Wer seine Zeit, Phantasie und Empathie an Freunde, Familie und Bedürftige verschenkt, steht erstmal gut da und kann Weihnachten die Füße hochlegen, mit den anderen in den Kamin starren und die Ideen in Ruhe besprechen.

Umgekehrt gilt:
Man muss sich nicht für Geschenke bedanken, die man nur so … hmm… findet.
Wem statt ein Akkuschrauber Zeit und Zuwendung geschenkt wird, der darf zu deren Verwendung natürlich auch eigene Vorschläge machen.

Das weihnachtliche Freizeitkonto wird zwar nie voll genug sein, aber es bringt garantiert Zinsen – Sympathiezinsen.