calendar 16.08. 2018

Wenn der Heizungsableser nicht mehr klingelt

Bei mir klingelt der Heizungsableser schon seit einiger Zeit nicht mehr an der Wohnungstür. Abgelesen wird bei mir nämlich nur noch digital. Die Daten werden direkt per Router weitergeleitet. Das finde ich schade, denn der Ableser hatte oft richtig gute Tipps.

Klingeln tun dagegen jetzt andere – und die wollen auch nicht einmal mehr in die Wohnung rein –, nämlich die Paketfahrer. Denn das, was im Internet bestellt wird, muss ja auch irgendwie geliefert werden. Jetzt fahren sie eben von Tür zu Tür und klingeln – bei mir oft dreimal am Tag, weil auch die Pakete meiner Nachbarn ein Dach über dem Kopf brauchen.

Über die Schwelle ins Private

Früher als ich noch so klein war, dass ich mich an der Wohnungstür hinter dem Rücken meiner Mutter verstecken konnte, war das noch anders. Da kamen nicht nur Paketboten, sondern auch der Heizungsableser, die Zeugen Jehovas, die Avon-Beraterin, Zeitungsverkäufer und Versicherungsvertreter. Und manchmal saßen sie dann beim Kaffee, während meine Mutter Interesse für die unterschiedlichsten Themen simulierte, aber wahrscheinlich nur wissen wollte, wie andere so durchs Leben kommen.

Tipps vom Fachmann

Mehr als 3.000.000.000 Sendungen wurden 2017 in Deutschland verschickt.
Quelle: Studie der Kurier-, Express- und Paketbranche

Heute hat sich das geändert. Ein ehemaliger Nachbar zum Beispiel hatte so eine Marotte: Hatte sich der Heizungsableser angekündigt, wurde er zum fleißigen Bienchen – Fenster putzen, Wäsche waschen und Staubsaugen. Dabei ist das gar nicht nötig. Ich habe einmal meine Wäsche auf der Heizung getrocknet als der Heizungsableser kam. Ja, ich weiß, das war der perfekte Brutkasten für Schimmel. Aber ich brauchte die Hose nun einmal. Und, was hat der Heizungsableser gemacht? Diskret geschwiegen.

Andererseits, wenn man ihn aber um einen Rat oder Kommentar bittet, hat er ihn gegeben, denn diese Leute kommen viel rum und haben Erfahrung. Neulich hatte ich einen Techniker im Haus. Eine gute Chance, um beim Fachmann einige Tipps zum Energiesparen zu holen, dachte ich mir. Also ran an den Mann. So erklärte mir der Ableser genau, wie man am besten die Thermostate an den Heizkörpern einstellt, wenn man Geld sparen will. Am Ende hatten wir nicht nur eine, sondern zwei Tassen Kaffee getrunken.