Wo bleibt die Wärmewende?

29.11.2018

Es ist ja im Grunde eine Binsenweisheit: Die preiswerteste und umweltfreundlichste Energie ist immer die, die gar nicht benötigt wird. Bei der Wärmewende im Gebäudebereich wäre das im Grunde gar nicht so schwierig. Denn die entsprechenden Technologien gibt es längst: Passivhäuser, die durch Wärmerückgewinnung nur noch sehr wenig Heizenergie benötigen, Nullenergiehäuser, die durch den Einsatz von Photovoltaik, Solarwärme und Wärmepumpe im Jahresverlauf über eine klimaneutrale Bilanz verfügen und Solarplushäuser, die sogar mehr Energie erzeugen als sie benötigen.

Wärmewende: nichts geht voran

Die traurige Wahrheit ist aber leider: Auf den Gebäudesektor in Deutschland entfallen laut Umweltbundesamt immer noch über 30 Prozent des Endenergieverbrauchs. Die Energie- und Wärmewende im Gebäudebereich kommt nicht voran. Schlimmer noch, es tut sich eigentlich gar nichts. Bei einem Großteil der rund 16 Millionen Ein- und Zweifamilienhäuser besteht erheblicher Modernisierungsbedarf. Und die Deutsche Energieagentur spricht von einem Stillstand bei der Gebäudesanierung.
Politisch fehlt es beispielsweise an ausreichend Anreiz für Gebäudemodernisierung. Ein wichtiges Thema dabei ist die steuerliche Absetzbarkeit von Modernisierungsmaßnahmen: Seit Jahren wird im Zuge der Wärmewende darüber diskutiert, aber es passiert einfach nichts. Dabei wäre das ein Instrument, das private Eigentümer stark motivieren kann längst überfällige Sanierungen durchzuführen.

Kesselaustausch fördern. Aber richtig!

24 % deutscher Immobilien werden mit Öl geheizt.
Quelle: Marktforschungsinstitut Dr. Grieger & Cie

Dann die Förderpolitik. Wussten Sie, dass es sogar noch Fördermittel gibt für Ölheizungen? Klar, das müssen dann effiziente Brennwertkessel sein. Aber: Klimaexperten überschlagen sich mit Hinweisen, dass wir sofort aufhören müssen, weiter Klimagase zu produzieren. Und der deutsche Staat fördert weiterhin die Verbrennung fossiler Kraftstoffe und legt ein Haus auf Jahrzehnte auf den Energieträger Öl fest? Ich finde, das darf nicht sein.
Japan macht vor, wie es in der Wärmewende besser geht: Dort wird zum Beispiel die Brennstoffzellenheizung massiv gefördert und sorgt deswegen inzwischen in vielen Wohnhäusern für Behaglichkeit. Auch diese Heizung benötigt heute noch Erdgas. Die Brennstoffzelle hat aber den Vorteil, dass sie heute jeden Schritt den das Energiesystem in Deutschland in den nächsten Jahrzehnten durchläuft, mitgehen kann. Und je mehr Wasserstoff für sie genutzt wird, desto effizienter wird sie. Also wennschon fördern, dann doch bitte so.

Ökologisches Bauen muss aus der Nische

Dazu kommt: Die sogenannte graue Energie – also der Energieverbrauch, der bei der Produktion der Baumaterialien anfällt – wird bei Einsparvorgaben überhaupt nicht berücksichtigt. Genauso wenig, ob sich die verwendeten Materialien wie zum Beispiel die Dämmung nach Gebrauch umweltfreundlich recyceln lassen. Dabei wäre es für die Klimabilanz sehr wichtig, dass Häuser über ihren gesamten Gebäudezyklus betrachtet werden. Doch die Energieeinsparverordnung setzt für eine ökologische und klimafreundliche Gesamtbetrachtung keinerlei Anreize. Echte Klimapolitik benötigt gerade während der Wärmewende die schnelle und absolute Abkehr von fossilen Rohstoffen. Die Politik muss in Sachen Klimaschutz endlich die richtigen Rahmenbedingungen setzen. Allem voran im Gebäudebereich!