calendar 27.10. 2017

Deutsche heizen mehr und sparen trotzdem

Die Deutschen heizen mehr und sparen trotzdem. Das ist das Ergebnis des „Wärmemonitors“, einer Studie, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) mit Unterstützung von ista einmal im Jahr veröffentlicht.

Wärmeverbrauch in Deutschland

Auf Basis der Wärmeverbräuche von mehr als 300.000 Mehrfamilienhäusern errechnen die Forscher, wo in Deutschland wie viel geheizt wird und welche Kosten dadurch für den einzelnen Haushalt anfallen. Am teuersten war die Heizenergie 2016 in Hamburg mit 7,81 Eurocent/Kilowattstunde. Am günstigsten ließ sich im Allgäu für 4,85 Eurocent/Kilowattstunde heizen.

Die Heizkostenbelastung sinkt

Insgesamt sind die Kosten für das Heizen, die sogenante „zweite Miete“, bundesweit um sechs Prozent gesunken. „Die Kostenbelastung der Haushalte beträgt inzwischen nur noch zwei Drittel dessen, was im Jahr 2008 für Raumwärme aufzuwenden war“, erklärt DIW-Ökonom Claus Michelsen. Den Grund dafür sehen die Forscher vor allem in den zurzeit niedrigen Energiekosten. Diese sind für Heizöl und Gas im Schnitt um acht Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig wurde in den Haushalten aber mehr geheizt. Dementsprechend ist der Heizenergiebedarf der Haushalte 2016 im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozent gestiegen. Die Haushalte profitieren also nicht etwa von einem geringeren Energieverbrauch, sondern von Preisvorteilen.

Der Wärmeverbrauch steigt und die Kosten sinken dank niedriger Preise.

Gewappnet sein und Energie einparen

Dass sich dies schnell wieder ändern und die Preise für Öl und Gas wieder steigen könnten, liegt auf der Hand. Daher warnen die Forscher auch davor, jetzt Einsparmaßnahmen außer Acht zu lassen. In den vergangenen Jahren sind viele Gebäude in Deutschland energetisch saniert worden, dies sollte laut DIW weiterhin geschehen. Zum einen um den Klimaschutz weiter voranzubringen und zum anderen um Energieverbrauch und Heizkosten auch in Zukunft im Griff zu behalten.

Die Mischung macht’s

Das Ergebnis des Wärmemonitors zeigt aber auch, wie wichtig das Nutzerverhalten beim Energiesparen ist. Je effizienter der Bewohner mit seinem eigenen Energieverbrauch umgeht, desto mehr kann er selbst zur Energie- und CO2-Einsparung beitragen. Im Durchschnitt benötigt ein Haushalt 85 Prozent seines Energieverbrauchs für Wärme. Bereits kleine Änderungen im Nutzerverhalten können hier einen positiven Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Energieverbrauch für Wärme
Wärmemonitor 2016: Veränderung zum Vorjahr in Prozent – Energiepreise, Verbrauch und Kosten.

Aber auch den umgekehrten Fall gibt es. Nach aufwendiger Modernisierung tritt manchmal der sogenannte Rebound-Effekt ein: Die Bewohner heizen mehr, gerade weil sie denken, dass sie aufgrund der energetischen Maßnahmen nicht mehr so sehr auf ihr Verbrauchsverhalten achten müssen. Damit das nicht passiert, benötigen Verbraucher Transparenz über ihre Verbräuche. Die Rechnung ist dabei ganz einfach: Wer weiß, wie viel Energie er verbraucht, achtet mehr auf seinen Verbrauch und spart dadurch im Schnitt nachweislich Energie und Kosten ein. Thomas Zinnöcker, CEO von ista, empfiehlt daher eine „Kombination aus energieeffizienten Gebäuden und optimiertem Nutzerverhalten“, um die Heizkosten nachhaltig zu senken. „Grundlage für beides ist Transparenz über die Verbräuche. Hier gilt es, Lösungen mit Augenmaß zu finden, die die Interessen von Investoren, Vermietern und Mietern im Sinne eines nachhaltigen, aber bezahlbaren Klimaschutzes vereinen.“