calendar 17.07. 2017

Legionellen – kleine Keime im Dampf

Viele haben morgens ein ähnliches Ritual: Waschen, duschen, frühstücken, Zähne putzen und ab zur Arbeit. Dass man sich möglicherweise bereits Gefahren aussetzt, wenn man sein Lieblingslied unter der Dusche pfeift, ist sich kaum einer bewusst.

Die unsichtbaren Erreger

Legionellen können zum echten Problem werden. Das soll nicht heißen, dass man nun in Panik verfallen sollte. Aber: Feiner Wasserdampf beim Duschen oder leichter Nebel über der Wasseroberfläche des Whirlpools bieten diesen unsichtbaren Erregern beste Voraussetzungen, um in unseren Körper zu gelangen. Durch die Inhalation des Bakteriums gelangen die knapp 2 bis 6 Mikrometer großen Krankheitsverursacher in unseren Organismus. Die legionella pneumophila können dort Beschwerden wie die Legionellose, besser bekannt als Legionärskrankheit, auslösen. Sie ist die am häuftigsten auftretende Form der Legionellose und kann neben grippeähnlichen Symptomen eine Lungenentzündung mit sich bringen. Der Name „Legionärskrankheit“ geht übrigens auf ein Veteranentreffen in Philadelphia, USA zurück, bei dem mehrere Mitglieder durch befallene Klimaanlagen infiziert wurden. Vor allem ältere Menschen oder Personen mit geschwächtem Immunsystem sind in der Regel anfällig für die Infektion.

Die Legionärskrankheit ist mit 90 % Aufkommen die häufigste und gleichzeitig gefährlichste Form der Legionellose.

Natürliches Umfeld

Legionellen sind weltweit verbreitet und treten in natürlichen Frischwasserbiotopen auf. Sie sind somit in geringen Mengen auch in Grundwasser und Oberflächengewässern zu finden. Unter anderem kann dies auch der Badesee sein, an dem man die sonnigen Tage verbringt. Hier muss man sich über eine Infektion in der Regel allerdings keine Sorgen machen. Frei vermehren sie sich dort nämlich nicht, sondern steigern ihre Population intrazellulär in Amöben oder anderen Einzellern.

Ein Keimherd im System

Legionellen unter der Lupe

Das Bakterium vermehrt sich im Wasser bei angenehmen Temperaturen zwischen 25 und 45° Celsius rapide und wird erst ab einer Temperatur von 60° Celsius abgetötet. Stehende Wasservorkommen, wie beispielsweise in Wassertanks oder Rohrleitungen, können einen Biofilm und somit einen eigenen kleinen Lebensraum für eine höhere Konzentration der Keime bilden. Alle Zapfstellen müssten daher im Falle eines Legionellenbefalls durch komplexe Verfahren, von einem Fachunternehmen mit über 70° Celsius heißem Wasser über einen längeren Zeitraum gespült werden werden, um die Bakterien aus dem künstlich entstandenen Biotop zu vertreiben. Eine eigenständige Durchführung ist nicht möglich, da Warmwasserbereiter in der Regel nicht über die nötigen Kapazitäten verfügen.

Legionelleninfektionen in Europa

In Deutschland erkranken jährlich schätzungsweise bis zu 30.000 Menschen an der Legionellose. Dem Robert Koch Institut zufolge werden jedoch nur sehr wenige Fälle gemeldet – 2016 waren es lediglich 710 Erkrankungen. Ein Grund für den drastischen Unterschied kann sein, dass nicht jeder Patient mit einer Lungenentzündung auf Legionellen untersucht wird. In den Sommermonaten steigt die Zahl der Meldungen an, was mit der Urlaubszeit und den damit verbundenen Aufenthalten im Ausland oder der häufigeren Benutzung von Klimaanlagen in Zusammenhang gebracht werden kann.

Auch die EU ist sich diesem Thema bewusst. So wurden dem in Schweden ansässigen „European Centre of Disease Prevention and Control“ im Jahr 2015 insgesamt 6.573 Infektionen pro 100.000 Einwohner aus dem europäischen Raum übermittelt. Aus Deutschland wurden 881 Fälle gemeldet, mit 1.556 Meldungen wurde in Italien beinahe die doppelte Anzahl an Erkrankungen registriert.

ista testet Trinkwasseranlagen

Aufgrund der möglichen schwerwiegenden Folgen herrscht in Deutschland seit 2001 eine Anzeige- und Untersuchungspflicht für Großanlagen zur Trinkwassererwärmung. Die Trinkwasserverordnung wurde seitdem mehrmals novelliert, zuletzt im Dezember 2012. Demnach müssen die Anlagen öffentlicher Gebäude mindestens einmal jährlich untersucht werden; die gewerblich vermieteter Gebäude bzw. Wohnungen hingegen mindestens alle drei Jahre. Die Systeme in Ein- und Zweifamilienhäuser sowie die Trinkwassererwärmer von Wohnungseigentümergemeinschaften, in denen keine Vermietung vorliegt, zählen nicht als Großanlagen und unterstehen demnach nicht der Untersuchungspflicht auf Legionellen. Wenn Sie allerdings auf Nummer sicher gehen wollen, können Sie solch eine Trinkwasseranalyse trotzdem durchführen lassen.

Denn: Zehn Prozent der von ista untersuchten, hauseigenen Trinkwasseranlagen überschritten in den letzten fünf Jahren den zulässigen Legionellenwert von 100 kbE (koloniebildende Einheiten) pro 100 ml Wasser!

Der zulässige Legionellenwert in Trinkwasser liegt bei 100 kbE pro 100 ml Wasser!

Vermieter stehen in der Pflicht

Als Vermieter und somit Eigentümer ist man dazu verpflichtet seine vermieteten Wohnungen auf eventuellen Legionellenbefall prüfen zu lassen. Eine Grenzwertüberschreitung kann neben der bereits angesprochenen Infektionsgefährdung ebenfalls rechtliche Probleme für den Eigentümer mit sich bringen. Dieser ist nämlich laut der Trinkwasserverordnung zur Legionellenprüfung verpflichtet. Bei konkretem Keimbefall sind Mietminderungen oder Schadensersatzzahlungen hierbei das geringste Übel. Erst 2008 verstarb ein Mann in Berlin an einer durch Legionellen hervorgerufenen Lungenentzündung. Der Vermieter wurde daraufhin auf eine Schadensersatz- und Schmerzensgeldzahlung von 23.000 € verklagt. Regelmäßige Kontrollen schützen somit nicht nur den jeweilig Verantwortlichen, sondern können unter Umständen sogar Leben retten. Mit der Trinkwasseranalyse von ista lassen sich solche Grenzwertüberschreitungen frühzeitig erkennen.

Proben entnehmen und weiter…?

Doch wie verläuft eine Trinkwasseranalyse eigentlich? Im ersten Schritt werden den Trinkwasseranlagen Proben entnommen. Diese werden analysiert und im besten Fall liegt kein Befall der Stäbchenbakterien vor. Trifft dies jedoch nicht zu, muss eine Meldung an das Gesundheitsamt getätigt werden. Anschließend werden weitere, tiefergehende Untersuchungen durchgeführt. Gefährdungsanalysen zeigen die Ursachen des Befalls auf, bevor schließlich Maßnahmen zur Beseitigung der Legionellen ergriffen werden.

Legionellenproben entnehmen
Die Trinkwasseranalyse in 5 Schritten: (1) Proben entnehmen (2) Analyse (3) Meldung (4) Gefährdungsanalyse (5) Beseitigung

Die thermische Desinfektion mit über 70° Celsius sollte jedoch nur von einem Fachman übernommen werden. Gleiches gilt für die sogenannte „Chlorung“, bei der das komplette System mittels Chlor desinfiziert wird. Ist das Trinkwassersystem nun frei von Legionellen, werden erneute Kontrollen sowie eine Dokumentation erstellt. Sämtliche Unterlagen müssen laut Trinkwasserverordnung 10 Jahre aufbewahrt werden. Weitere Informationen zum Thema „Trinkwasseranalyse“ finden Sie hier.

Infektionsquellen frühzeitig erkennen

Das Stäbchenbakterium gelangt also in erster Linie über die Atemluft in unseren Körper. So kann insbesondere das Duschen aber auch der Gebrauch von Klimaanlagen zu einer echten Gefahr werden. Eine professionelle und in regelmäßigen Abständen durchgeführte Untersuchung von Trinkwasseranlagen ist also in jedem Fall zu empfehlen. Schließlich soll uns das völlig unbeschwerte Pfeifen unserer Lieblingslieder unter der Dusche auch weiterhin den perfekten Start in den Tag bescheren!

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