calendar 07.12. 2015

Transparenz für den Klimaschutz

Viel wird zurzeit über ein neues Energiezeitalter diskutiert. Über neue Stromtrassen, Windparks, die Zukunft von Kohlekraftwerken oder einen zeitgemäßen europäischen Emissionshandel. Aber was kann der Einzelne für den Klimaschutz und einen bewussteren Umgang mit Energie tun? Das Modellprojekt „Bewusst heizen, Kosten sparen“ zeigt: Erst Transparenz macht den Bürger zum Akteur der Energiewende.

85 Prozent des Energiebedarfs eines Privathaushalts entfallen allein in Deutschland auf Heizwärme und Warmwasser. Wenn jeder Haushalt nur ein wenig Energie einsparen würde, käme bei über 40 Millionen Haushalten bereits eine beachtliche Menge an Einsparung zusammen. Umso mehr, wenn man neben deutschen Privathaushalten an große und energieintensive Volkswirtschaften wie China oder Brasilien denkt.

Submetering: Jeder zahlt für das, was er verbraucht

Wie aber kann das funktionieren? Ein einfacher, kosteneffizienter Schlüssel zum Erfolg ist das sogenannte Submetering. Damit ist die individuelle, also verbrauchsgerechte Erfassung und Abrechnung von Heizwärme und Warmwasser gemeint. Die Mieter erhalten eine jährliche Abrechnung ihres individuellen Verbrauchs und der damit verbundenen Kosten. Jeder zahlt damit nur seinen tatsächlichen, individuellen Energieverbrauch und kann selbst frei entscheiden: Wie bewusst möchte ich mein eigenes Energieverhalten steuern? Seit Jahrzehnten ist das Submetering bereits in Mehrfamilienhäusern in vielen Ländern Pflicht. Das Ergebnis ist beeindruckend: Die EU-Kommission geht davon aus, dass durch das Submetering jährlich zwischen 15 bis sogar 30 Prozent an Energie, CO2 und Kosten eingespart werden. Allein durch die Messung und gerechte Kostenverteilung von individuellen Energie- und Wasserverbräuchen.

Submetering 2.0: Neue digitale Möglichkeiten

Seit der Einführung des Submeterings hat sich die Technik zur Messung und Visualisierung von Verbrauchsdaten rasant verändert. Auf Basis modernster Funktechnik erfolgt die Ablesung der Daten heute bereits in weiten Teilen digital und aus der Ferne. Der klassische Ableser muss damit nicht mehr in die Wohnung, um einzelne Heizkostenverteiler vor Ort auszulesen. „Unser Funksystem vor Ort erfasst heute sehr exakt und zuverlässig die Verbrauchsdaten der einzelnen Wohnungen und überträgt diese dann über Mobilfunk weiter an unseren Server am Stammsitz von ista. Wir bereiten die Daten dann entsprechend auf und stellen sie im nächsten Schritt einfach und transparent unseren Kunden zur Verfügung“, erklärt Antonio Fischetti, Bereichsleiter Marketing und Business Development von ista Deutschland und fügt hinzu: „Mit dieser digitalen Verbrauchserfassung können wir die Möglichkeiten und die Effizienz des Submeterings noch einmal deutlich steigern.“ Denn die Infrastruktur ist – anders als beim Strom – für eine unterjährige Erfassung und Visualisierung von Wärmeverbräuchen damit bereits voll entwickelt und einsatzbereit.

Bewusst Heizen – Kosten sparen

Um dies zu belegen, hat ista gemeinsam mit der Deutschen Energie-Agentur (dena), dem Deutschen Mieterbund und dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit das Modellprojekt „Bewusst heizen, Kosten sparen“ ins Leben gerufen. Die Idee ist einfach: Wenn Transparenz zu mehr Energieeffizienz im Haushalt führt, dann muss die Transparenz konsequent weiter erhöht werden. Zusätzlich zur jährlichen Abrechnung erhalten die Mieter im Modellprojekt daher monatliche Informationen über ihren individuellen Energieverbrauch – und zwar digital in einem Webportal oder als App auf dem Smartphone.

Entwickelt wurde das Energiedatenmanagement von ista. Die Mieter können mit wenigen Klicks ihre Verbrauchswerte und Kosten einsehen und analysieren. Prognosefunktionen zeigen, wie sich der persönliche Verbrauch in den kommenden Wochen und Monaten voraussichtlich entwickeln wird. Anonymisierte Vergleiche mit anderen Haushalten setzen den eigenen Verbrauch in die richtige Relation. Zusammen mit Umrechnungen in Euro und Kilogramm CO2 erhält jeder Mieter volle Transparenz über sein Verbrauchsverhalten.

Erste Ergebnisse überzeugen

Im Herbst 2013 ist das Projekt gestartet. Mittlerweile nehmen fast 200 Haushalte in Berlin, München und Essen teil. Das Ergebnis nach zwei Heizperioden: Mieter, die monatlich über ihren Heizungsverbrauch informiert werden, benötigen im Durchschnitt 16 Prozent weniger Energie als Mieter, die keine regelmäßige Heizinformation erhalten. Und auch die Mieter in der Nachbarschaft profitierten vom Praxistest: So sinkt in den Gebäuden der Modellregionen der Heizungsverbrauch im Durchschnitt um 12 Prozent. Dies ist insbesondere auf den verstärkten Austausch innerhalb der Mieterschaft und die erhöhte Sensibilisierung aller Mieter im Zuge der Mieteransprache im Projekt zurückzuführen. Hochgerechnet auf ein durchschnittliches Mehrfamilienhaus in Deutschland zeigt sich zudem: Ein Mieter könnte durch die monatliche Verbrauchsinformation fast 80 Euro pro Jahr einsparen. Dem stehen Kosten für die Dienstleistung zwischen 21 und 41 Euro pro Jahr gegenüber, je nach vorhandener Messtechnik. Dem Mieter bleiben also unterm Strich bis zu 60 Euro. „Der technische Aufwand ist gering, die Kosten pro Haushalte sind absolut überschaubar, während der Einspareffekt enorm ist“, so Antonio Fischetti.



Kein Wunder, dass die Mieter mit dem Modellprojekt zufrieden sind. Über 80 Prozent der befragten Teilnehmer würden das Energiedatenmanagement an Freunde, Kollegen und Bekannte grundsätzlich weiterempfehlen. Über 70 Prozent der Teilnehmer sagen, dass sie ihren Verbrauch nun besser im Griff haben. Auch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks findet, dass die monatliche Verbrauchsinformation eine gute Idee ist: “Die Energiekosten sind ein großer Bestandteil der Gesamtmiete. Eine regelmäßige Verbrauchsinformation kann dabei helfen, die sogenannte zweite Miete zu senken”, sagte Hendricks bei der Übergabe der Studienergebnisse in Berlin. “Außerdem sensibilisiert sie die Verbraucher für einen bewussten Umgang mit Energie und kann damit einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.”

Bildcredit: grasundsterne, ista, dena