Von Damaskus nach Stuttgart

29.05.2018

Firas Hawasli macht eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei ista in Stuttgart. Was für viele seiner Altersgenossen ganz normal ist, war für den Zweiundzwanzigjährigen vor wenigen Monaten noch fast undenkbar. Denn Firas kommt aus Syrien: Vor sechs Jahren musste er seine Heimatstadt Damaskus wegen des Bürgerkriegs verlassen.

Firas Hawasli – Azubi bei ista
Wissbegierig: Firas Hawasli (links) im Gespräch über ista-Produkte mit Alexander Nossek, Technischer Leiter in Stuttgart.

Nach langer Odyssee kam er im Sommer 2015 nach Stuttgart. Sein persönlicher Wunsch: endlich wieder Fuß fassen, einen Job bekommen und bleiben dürfen. Dafür hat Firas intensiv Deutsch gelernt und versucht, seine neue Heimat so gut es geht kennen zu lernen. Ende 2017 war es dann endlich soweit: Nach einem Praktikum bekam Firas Hawasli einen Ausbildungsplatz in der Stuttgarter Niederlassung von ista. Betreut wird er dort von Andrea Warth, die für die Auszubildenden am Standort verantwortlich ist: „Wir freuen uns sehr Herrn Hawasli hier bei ista im Team zu haben. Er ist ein engagierter, talentierter und hoch motivierter Mitarbeiter. Wir unterstützen ihn im Rahmen unserer Möglichkeiten im schulischen, beruflichen und privaten Bereich. Für die Mithilfe möchte ich auch den Kolleginnen und Kollegen am Standort Stuttgart danken.“ Gemeinsam mit Andrea Warth haben wir Firas an seinem Arbeitsplatz getroffen. Im Interview mit INSIDEista erzählt er von den Unterschieden zwischen Syrien und Deutschland, dem Heimweh nach Syrien, wo seine Eltern und Geschwister noch immer leben, die Unsicherheit seines Aufenthaltsstatus und seinem großen persönlichen Ziel, die Ausbildung bei ista erfolgreich abzuschließen und später für den internationalen Energiedienstleister zu arbeiten.

Herr Hawasli, wie ist das Leben in Deutschland für Sie?

Es ist schwer zu entspannen. Fast jede Woche gibt es in Deutschland eine neue Entscheidung zum Asylrechtsverfahren. Daher fühle ich mich oft unsicher. Ich kann meine Zukunft nicht planen. Während der dreijährigen Ausbildung ist der Flüchtlingsstatus und die Aufenthaltserlaubnis zwar sicher, aber was kommt danach? Ich weiß es nicht. Dennoch motiviert die Berufsausbildung bei ista, mich weiterzuentwickeln. Das Kennenlernen der deutschen Kultur ist dabei besonders anstrengend – das Essen und auch der Umgang miteinander ist anders. Deutsche sind beispielsweise sehr direkt. In Syrien wird Kritik umschrieben. Auch die geregelten Abläufe und Strukturen sind neu für mich. In Syrien ist das Leben weniger strukturiert.

Vermissen Sie Damaskus?

Natürlich. Und ganz besonders meine Eltern und vier Geschwister, die dort noch immer leben. Wir sprechen zwar mehrmals in der Woche miteinander, aber ich mache mir große Sorgen. In Syrien herrscht noch immer Krieg. Als das Haus meiner Eltern an Weihnachten durch eine Fliegerbombe zerstört wurde, hat ista mich spontan unterstützt. Dafür bin ich dankbar.

Hatten Sie Angst vor dem Krieg?

Es ist nicht mein Krieg. Ich wollte nicht kämpfen. Da es eine Armeepflicht gibt, hätte ich damals kämpfen müssen. Darum musste ich fliehen. Über den Irak kam ich in die Türkei. Von dort starteten wir mit einem kleinen Boot – das kenterte. Wir schwammen sieben Stunden orientierunslos, bis wir Land erreichten. Von 60 kamen nur 26 Flüchtlinge an. Ich war total erschöpft. Zeit zum Erholen gab es aber nicht. Wir liefen direkt weiter. In Ungarn wurde ich noch einmal für eine Zeit festgehalten. Danach erreichte ich endlich Chemnitz und dann Stuttgart. Es dauerte noch sechs Monate bis ich meine Papiere bekam. In der Zeit habe ich angefangen über YouTube Deutsch zu lernen. Dadurch konnte ich schneller Freunde und einen Job finden.

ista Azubi Firas Hawasli
Andreas Schmid (links), Technischer Sachbearbeiter in Stuttgart gemeinsam mit Firas Hawasli

Wie sind Sie zu ista gekommen?

Beim Azubi Speed Dating der Industrie und Handelskammer habe ich ista kennengelernt und wurde zum Probearbeiten eingeladen. Meine Einstiegsqualifizierung war wohl so gut, dass ich danach noch ein sechswöchiges Praktikum machen durfte. Und jetzt mache ich die Ausbildung zum Industriekaufmann. ista hat mir eine neue Heimat gegeben.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Erstmal die Berufsausbildung erfolgreich abschließen. Und dann weiter an der beruflichen Karriere arbeiten. Mein Ziel ist, bei ista in Dubai zu arbeiten. Einen Traum möchte ich mir aber vorher erfüllen: meine Familie besuchen. Wir haben uns seit sechs Jahren nicht mehr gesehen.