calendar 12.09. 2016

Ich packe meinen Koffer …

Noch einmal woanders ganz neu anfangen – wie viele Menschen denken das tagtäglich? Und wie häufig bleibt es wohl bei dem Gedanken? Die 31-jährige Katarzyna Ciepiela aus Polen hat diesen Gedanken in die Tat umgesetzt, ist kurzerhand nach Dänemark ausgewandert und hat ihr altes Leben hinter sich gelassen.

Ich erinnere mich genau an den Tag, als ich mich dazu entschloss, mein Leben zu verändern. Ich sinnierte während der Mittagspause in unserer Küche im polnischen Gleiwitz, aß gedankenverloren mein Sandwich und fragte mich, ob das schon alles gewesen sein sollte. Und entschied „Sollte es nicht“.

Gesagt, getan

Noch am selben Tag schrieb ich der internationalen Personalabteilung von ista in Deutschland und fragte nach, ob es eine Möglichkeit gebe, mich in einem anderen Land unterzubringen. Bewusst spezifizierte ich das nicht näher – manchmal muss man den Dingen einfach seinen Lauf lassen. Bereits ein paar Tage später – ich konnte es kaum glauben – bekam ich die Antwort, dass in Dänemark eine Stelle frei sei, auf die ich passen könnte. Und ehe ich mich versah, saß ich im Flieger zum Vorstellungsgespräch nach Kopenhagen. Kein Witz – ich hätte niemals an Dänemark als meine zukünftige Heimat gedacht. Doch da bin ich.

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Neustart in Dänemark

Seit nun fast einem Jahr. Sicher, aller Anfang ist schwer und die Umstellung war nicht einfach. Ich habe einige Kämpfe seitdem gefochten – die fremde Sprache, die neue Arbeitsstelle, keine Familie, keine Freunde. Das war das Härteste. Freunde und Familie zurückzulassen. Manchmal fehlt es auch heute noch, einfach zu ihnen rüberfahren zu können. Aber in Dänemark kann man sich schlichtweg nicht einsam fühlen. Die Dänen sind, auch wenn sie anfänglich etwas zurückhaltend sein mögen, ein so sympathisches, offenherziges und freundliches Volk. Ehrlich und immer hilfsbereit.

Strukturiert, effizient und organisiert

Sowohl im Privaten als auch beruflich. Obwohl ich ja bei dem gleichen Arbeitgeber geblieben bin, ist natürlich trotzdem alles neu. Seit 2008 arbeitete ich bei ista Shared Services in Polen und war dort für die Heizkosten- und Warmwasserabrechnungen in Deutschland zuständig, bevor ich 2012 in das Support Team wechselte. Hier in Kopenhagen arbeite ich im Bereich Quality & Scanning und werde auch hier in den Abrechnungsprozess eingearbeitet. Der größte Unterschied sind die komplett unterschiedlichen Abrechnungsprogramme, mit denen in den beiden Ländern gearbeitet wird. Die Arbeitsweise an sich ist gar nicht so unterschiedlich. Ich mag es, wenn sehr strukturiert, effizient und organisiert gearbeitet wird, ohne dabei das Wesentliche aus den Augen zu verlieren. Das können sowohl die Polen als auch die Dänen.

„Wenn du die Möglichkeit dazu hast, scheue nicht die Veränderung. Du magst etwas Gutes verlieren, aber wirst vermutlich etwas Besseres gewinnen.“

Ehrgeizige Ziele

Die größte Herausforderung? Die Sprache. Dänisch ist die frustrierendste Sprache, die ich bis jetzt gelernt habe. Mittlerweile verstehe ich sehr gut, aber die Aussprache ist extrem schwierig – es gibt gefühlt tausend verschiedene Varianten, wie die Dänen das „g“, „a“ oder „d“ aussprechen. Da ist es hilfreich, dass fast jeder Däne herausragendes Englisch spricht. Aber ich bin ehrgeizig und lerne fleißig weiter. Und es gibt unfassbar schöne Wörter im Dänischen, die sich einfach nicht in andere Sprachen übersetzen lassen – so zum Beispiel das Wort hyggeligt. Es ist ähnlich zum englischen cozy, aber das trifft es nicht ganz.

Wenn man mich fragt, was besonders an Dänemark ist, dann fällt mir neben dem Dänen an sich Lakritz ein. Die Dänen sind besessen von Lakritz – bei allem, aber wirklich allem kann man sich sicher sein, dass es das auch in der Geschmacksrichtung Lakritz gibt. Verrückt.

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Und das ist mein Fazit

Würde ich noch einmal so entscheiden? Ja. Ich könnte nicht glücklicher sein. Es klingt wie ein Klischee, ich weiß, aber wenn du mit nur zwei Koffern ein neues Leben anfängst, wird dir klar: Alles ist möglich. Als ich mich entscheiden musste „Mach ich’s oder mach ich’s nicht?“, sagte mir ein Freund: „Wenn du die Möglichkeit dazu hast, scheue nicht die Veränderung. Du magst etwas Gutes verlieren, aber wirst vermutlich etwas Besseres gewinnen.“ Etwas pathetisch, aber wahr.

Bildcredit: grasundsterne, ista